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Pascow im Interview

Mit Alex von der Band Pascow konnte ich kürzlich ein Interview machen. Trotz zeitintensiver Tätigkeiten gibt es ausführliche Antworten zur Band, den Songs, Jade, Dackelblut und einigen anderen Themen. Vor allem aber auch, warum man diesen steinigen Weg gewählt hat. Viel Spaß beim Lesen und danke an Alex und Pascow für die Mühen, für ein tolles Album namens Jade, das mich vollends überzeugen konnte. Aber: lest doch am besten selbst.

© Andreas Langfeld - Pascow
© Andreas Langfeld – Pascow

Hallo und willkommen zum Interview. Zum Einstieg bitte ich euch, die Band einmal vorzustellen, einen kleinen Überblick zu geben, zu erzählen wer welches Instrument spielt etc.

Alex: Hallo & schön dabei zu sein! Da bei uns gerade alle sehr eingespannt sind, übernehme ich die Vorstellungsrunde. Fangen wir mit Ollo an: Er spielt Schlagzeug, singt im Hintergrund, ist der Organisator in der Band und nicht zuletzt mein Bruder. Weiter geht es mit Swen: Er ist mit Leib und Seele Gitarrist und schreibt Songs. Er kann sich mit anderen Gitarristen stundenlang über Gitarren- oder Amptuning unterhalten. Kommen wir zu Flo: Er spielt Bass und ist der „Neue“ in der Band, wenngleich er auch schon 10 Jahre mit dabei ist. Somit bin jetzt nur noch ich übrig. Ich singe, spiele Gitarre und kümmere mich zusammen mit den anderen um Songs und Texte.

Wie kommt man in Gimbweiler, laut Wikipedia eure Herkunft, dazu Punkrock zu spielen und wo fand euer erster Kontakt mit der Musik, der Szene usw. statt?

Alex: Zum Glück haben wir Punkrock schon gekannt, bevor wir nach Gimbweiler gezogen sind. Wer weiß, wie es gewesen wäre, wenn wir in Gimbweiler unsere komplette Kindheit und Jugend verbracht hätten. Bevor wir nach Gimbweiler gezogen sind, haben wir in einem kleinen saarländischen Dorf gewohnt. Dort gab es einen recht starken Bezug zur Musik und zu den umliegenden Städten wie Saarbrücken, Homburg und Trier. Daher waren wir schon infiziert, bevor wir auf einen Einsiedlerhof nach Gimbweiler gezogen sind. Auf dem Hof in Gimbweiler hatten wir dann die Möglichkeit einen Proberaum einzurichten und dort zu jeder Tages- und Nachtzeit Musik zu machen. Man könnte also sagen, dass wir zur richtigen Zeit nach Gimbweiler umgezogen sind.

Was hat euch damals dazu bewogen von Plastic Bomb zu Rookie Records zu gehen? Wie kam der Kontakt – jeweils – zustande?

Alex: Wir hatten damals gerade die Platte „Alles Muss Kaputt Sein“ aufgenommen und waren hier zum ersten Mal bei Kurt Ebelhäuser. Außerdem lief das Songwriting zur Platte anders als bei den Alben zu vor. Dazu kommt, dass Flo als Bassist neu in der Band war. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, dass damals an vielen Stellen Veränderungen im Raum standen. Dazu kam, dass Micha von Plastic Bomb von sich aus sagte, dass er es verstehen würde, wenn wir mal was anderes ausprobieren würden. Und so kam es dann zum Wechsel zu Rookie Records. Der Wechsel verlief zum Glück sehr fair und friedlich. Sonst hätten wir es nicht gemacht. Der Kontakt kam ganz oldschool per Telefon zustande. Ollo hat Jürgen (Rookie) irgendwann angerufen.

Pascow gibt es nun schon etwas länger als 20 Jahre und mit verhältnismäßig wenigen Besetzungswechseln, laut Wikipedia 2. Wie schafft man das?

Alex: Wir haben innerhalb der Band vor einigen Woche auch genau darüber gesprochen. Auch wenn es nicht immer eine bewusste Entscheidung war, so haben doch alle in der Band ihren Beruf und ihr Privatleben so ausgerichtet oder gewählt, dass die Band weiter bestehen konnte. Die Band war jedem einzelnen also sehr wichtig und spätestens nach dem Lost Heimweh Projekt wussten wir auch zu schätzen, was wir an dieser Band haben. Dazu kommt, dass Ollo und ich Brüder sind und mit Swen sind wir auch schon seit Ewigkeiten befreundet. Wir können daher sehr gut streiten und schonen uns dabei auch nicht. Dies hat sicher dazu geführt, dass wir über die Jahre hinweg ein ausgeglichenes Verhältnis innerhalb der Band haben. Ich gelte zwar gemeinhin als „Bandhitler“, würde aber trotzdem von einer „balance of power“ innerhalb der Band sprechen.

Euer aktuelles Album heißt Jade, was könnt ihr unseren Lesern dazu erzählen und wovon handeln die Texte?

Alex: Auch bei JADE hatte sich der Songwriting-Prozess wieder geändert und wir haben auf diesem Album ein paar Experimente, an die wir uns so vorher nicht getraut hatte. WUNDERKIND ist hier sicher das beste Beispiel. Aber auch Songs wie SILBERBLICK & SCHERENHÄNDE oder SCHMUTZIGROT hätten auf den vorherigen Alben nicht drauf sein können. Was die Texte angeht, so wurden wir konkreter als zuvor. Es gibt weniger kryptische Passagen und jeder Text hat ein klar zu erkennendes Thema. Es gibt hier kein Verstecken hinter starken Phrasen mehr. Man könnte sagen, dass wir bei den Texten mehr die Hosen runterlassen als zuvor. Davon abgesehen gib es mit Songs wie STURM DER DURCH ERLIEN ZIEHT auch ganz klassische Pascow Songs, die auch auf eine der ersten Platten gepasst hätten.

Wie waren die Aufnahmen, das Komponieren der neuen Stücke zeitnah nach zahlreichen, auch durchaus ernsten bis gravierenden Überlegungen nach Lost Heimweh? Und wie sehen eure Gefühle diesbezüglich jetzt auch?

Alex: Durch die Arbeit an Lost Heimweh haben wir die Band und alles, was damit zusammenhängt, wieder neu zu schätzen gelernt. Nach der DIENE DER PARTY Tour waren wir ein Stück ausgebrannt und die Zukunft der Band stand auf der Kippe. Spätestens nach der Tour zu Lost Heimweh hatte sich das dann zum Glück geändert und wir begannen an den Arbeiten zu JADE. Das Ganze verlief dann, für unsere Verhältnisse, sehr konzentriert. Wir vereinbarten einen festen Tag in der Woche, um zu proben und an neuen Songs zu arbeiten. Wir trafen uns auch außerhalb in kleiner Runde um an Songparts zu arbeiten und wir haben die Technik im Proberaum umgestellt, indem wir auf InEar gewechselt sind und dadurch gute Demos von den neuen Songs aufnehmen konnten. Das alles hat uns sehr geholfen und der Prozess lief einigermaßen entspannt ab. Aus heutiger Sicht müssen wir hier Kay und Andi vor Visual Attack danken, die für den Lost Heimweh Film zuständig waren. Ohne das Lost Heimweh Projekt hätte es Jade nicht gegeben.

Vor allem die Mineralien Nephrit und Jadeit müssen bestimmte Eigenschaften besitzen, um als Schmuckstein Jade zu gelten. Was für Eigenschaften macht euer Album aus, dass es den Titel bekam? Und wie kam es zu diesem Titel, welche Bedeutung hat dieser für euch?

Alex: Bei den vorherigen Alben hatten wir immer recht lange Titel und dieses Mal wollten wir von vornherein etwas Kurzes haben. Irgendwann gab es dann den Song mit dem Titel JADE in dem eine Band beschrieben wird und dort heißt es „Die da vorne wie aus Jade…“ Als wir dann im Studio mit den Überlegungen zu Cover und Albumtitel begannen, blieben wir immer wieder an dieser Textzeile hängen. Dazu kam, dass Gwen auf dem Albumcover sein würde und JADE auch ein weiblicher Vorname ist. Daher gab es gleich mehrere Gründe, die für diesen Titel sprachen. Lediglich Ollo mussten wir ein paar Tage überzeugen, da er den Buchstaben „J“ nicht schön findet. Den Albumtitel JADE mag er mittlerweile, den Buchstaben „J“ allerdings noch immer nicht.

Wenn ich mich recht erinnere, lebt ihr nicht von der Musik, sondern geht alle arbeiten. Bestünde die Möglichkeit denn mittlerweile davon leben zu können und weshalb habt ihr euch damals wie heute dagegen entschieden? Was arbeitet ihr sonst noch? Angenommen es sind Jobs, die ihr gerne macht: Was sind bei diesen Jobs, die größten Gefahren? Ist das Risiko von zum Beispiel Burn Out gleich hoch oder…? Welche Faktoren sind noch anders gelagert?

Alex: Da erinnerst du dich richtig und das ist auch der Grund, warum du etwas länger auf unsere Antworten auf deine Fragen warten musstest. Ollo ist Konzertveranstalter in Trier, Swen in Elektroingenieur, Flo ist Chemielaborant und ich kümmere mich um das Label Kidnap Music und einen Teil des Tante Guerilla Webshops. Bestünde die Möglichkeit von der Musik zu leben? Wahrscheinlich würde es irgendwie knapp reichen, wenn wir permanent touren würden und jedes Jahr ein neues Album veröffentlichen würden. Beides wollen wir nicht und daher haben wir uns vor einigen Jahren dazu entschieden die Band als Hobby oder Nebenberuf zu betreiben. Wir haben dadurch weniger Zeit, um Konzerte zu spielen oder uns um alle Bandangelegenheiten ausführlich und direkt zu kümmern, haben andererseits aber auch keinerlei finanziellen Druck und müssen uns hier auch in keinerlei Abhängigkeiten begeben. Das kann natürlich dazu führen, dass es zu bestimmten Zeiten – wenn ein neues Album erscheint oder eine Tour ansteht – sehr viel wird. Ein Arzt würde hier sicherlich von einem erhöhten Burn-Out Risiko sprechen. Aber vor allem Ollo als Konzertveranstalter und ich als Labelbetreiber können in unseren Jobs einen Teil der Pascow Arbeit integrieren, sonst würde es wahrscheinlich eng werden. Es hat also Vor- und Nachteile die Band als intensives Hobby zu betreiben, aber im Gesamten überwiegen für uns die Vorteile.

© Kay Özdemir - Pascow
© Kay Özdemir – Pascow

Ihr habt einmal Frisör von Dackelblut gecovert. Was bedeutet euch dieses Lied und was verbindet euch mit der Band? Gibt es aktuellere Cover, respektive welche Stücke würden infrage kommen und weshalb?

Alex: DACKELBLUT war für uns eine Band, die wir immer sehr gefeiert haben. Wir mögen auch die anderen Rachut-Bands, aber keine hat uns so sehr beeindruckt wie es DACKELBLUT getan haben. FRISÖR ist einer der stärksten Songs der Band, für uns zumindest. Der Text ist gut zu verstehen und an keiner Stelle abgedroschen. Die Gitarrenakkorde am Anfang des Songs sind großartig. Als wir mit Pascow angefangen haben, haben wir den Song hin und wieder live gecovert. Damals hat Ollo gesungen und ich habe Schlagzeug gespielt, da ich keinen Plan hatte, wie ich den Song auf der Gitarre spielen sollte. Jahre später, als die Idee mit der Split 7“ mit Spermbirds konkret wurde, haben wir unsere Version von FRISÖR wieder ausgepackt, daran gearbeitet und ihn schließlich bei Kurt Ebelhäuser aufgenommen. Ich will ehrlich sein, unsere Version ist okay und der Song hat gute Momente, aber an das Original kommt er nicht ran. Ob es aktuelle Coverprojekte von uns gibt? Nicht wirklich. Auf Tour hatten wir WHITE PEOPLE FOR PEACE von AGAINST ME gecovert, was live gut funktioniert hat, aber nichts für eine Aufnahme wäre. Im Proberaum spielen wir immer mal wieder was von AC/DC an, um den Sound zu checken aber auch das wäre weder was für live noch fürs Studio. Von daher, nein, derzeit gibt es keine konkreten Coverpläne.

Gibt es einen Song auf Jade, der persönlicher ausgefallen ist als die anderen, wenn ja, welcher und wovon handelt dieser?

Alex: Ich glaube SILBERBLICK & SCHERENHÄNDE und STURM DER DURCH ERLEN zieht sind die persönlichsten, weil autobiografischsten Songs auf der Platte. Die meisten hätten jetzt wahrscheinlich mit WUNDERKIND oder SCHMUTZIGROT gerechnet, allerdings sind diese Stücke in Teilen fiktiv. Das macht sie nicht schlechter, nur eben weniger autobiografisch und dadurch weniger persönlich. In SILBERBLICK geht es um Aufwachsen und Scheiße bauen, was meist Hand in Hand geht. Beim Song STURM DER DURCH ERLEN zieht geht es darum, aus dem Dorf rauszukommen. Zum einen physisch, zum anderen aber auch mit dem Kopf, was oft weit schwieriger ist als das bloße Umziehen in eine größere Stadt.

Wo seht ihr im Allgemeinen die Einflüsse von Pascow und wo direkt für Jade?

Alex: Musikalisch sind unsere Einflüsse sehr verschieden, was daran liegt, dass die musikalischen Vorlieben in der Band sehr auseinandergehen. Flo hört viel Noisekram, Swen legt Metal auf, Ollo kann auch mal Bruce Sprinsteen oder HipHop spielen und ich mag Garage und die unterschiedlichsten Sachen mit deutschen Texten. Bei JADE habe ich beispielsweise eine Zeit lang viel skandinavischen Metal gehört, was man sicher bei dem einen oder anderen Gitarrenriff merkt. Textlich fand ich manche Sachen aus Österreich gut, allen voran Voodoo Jürgens. Aber auch auf Propaghandi, But Alive oder den alten Gallows bin ich immer mal wieder hängengeblieben. Was uns innerhalb der Band verbindet: Wir stehen alle auf gutes Songwriting und können uns dann auch für Songs oder Bands begeistern, die einen ganz anderen Sound fahren als wir es tun. Dort lässt sich dann auch viel besser klauen 🙂

So, das war es auch schon wieder. Vielen Dank für eure Zeit. Hier ist Platz für Konzertdaten, Videolinks et cetera. Und gerne auch abschließende Worte.

Alex: Danke dir! Hat Spaß gemacht und SORRY, dass unsere Antworten etwas auf sich warten ließen.

Pascow auf Blood, Swen @Tears Tour 2020:
16.04.20 Münster, Sputnikhalle
17.04.20 Rostock, M.A.U. Club
18.04.20 Kiel, Pumpe
19.04.20 …
30.04.20 Reutlingen, Franz K.
01.05.20 AT-Wien, Flex
02.05.20 AT-Linz, Stadtwerkstatt
03.05.20 Dresden, Beatpol
Tickets bekommt Ihr hier bei Tante Guerilla

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