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KMPFSPRT im Interview

Mit David Schumann, Gitarre und Gesang, konnte ich via E-Mail ein feines Interview führen. Wir sprachen über das 7″-Album das den gleichen Namen der Band trägt: KMPFSPRT (die Review gibt es hier zu lesen) aber auch über Köln, Corona, Streams und einigem mehr. Viel Spaß beim Lesen des Interviews.

© Michael Winkler - KMPFSPRT
© Michael Winkler – KMPFSPRT

Wie geht es euch momentan? Alle gesund und munter? Wie fühlt es sich so kurz nach Release von KMPFSPRT an?

Allen geht es soweit gut, wir sind gesund, und das ist ja in Zeiten wie diesen erst mal das Wichtigste. Klar nervt es uns, dass all die Konzerte und Festivals abgesagt wurden, aber da kann man gerade eben einfach nichts machen und wir nehmen jeden Tag so, wie er kommt. Auf jeden Fall sind wir extremst glücklich, dass die 7“ endlich erschienen ist und wir darüber hinaus auch noch so fantastische Rückmeldungen bekommen! Ganz ehrlich, ich hätte nicht gedacht, dass die Songs so vielen Leuten so gut gefallen – immerhin ist es Hardcore und ganz anders als unsere normalen Songs. Momentan sind wir also alle sehr happy.

Eure 10 Track EP ist selbstbetitelt und ein Konzeptalbum. Wie kam es zu dieser Idee?

Wir hatten schon länger mit dem Gedanken gespielt, eine 7“ mit ausschließlich Hardcore-Songs zu veröffentlichen, einfach weil wir die Musik lieben und den Leuten zeigen wollten, wo wir eigentlich musikalisch herkommen. Es hat aber irgendwie Jahre gedauert, bis wir diese Schnapsidee endlich umgesetzt bekommen haben. Manchmal muss man eben einfach anfangen, dann kommt der Rest von alleine. Die Idee, alle Lieder über Köln zu schreiben, kam dann auch direkt hinterher. Wir wollten der Stadt einen Sound verpassen, den sie verdient hat und der sie gut reflektiert, nicht immer nur diese Karnevalsmukke, die man von Köln kennt.

Zugegebenerweise bin ich zu faul nachzuhören im Track By Track. Aber nicht jeder Tracktitel erschließt sich mir. Wie in der Review erwähnt, tippe ich bei I hate Ehrenfeld auf Gentrifizierung. In einem Interview habt ihr gesagt, das auch Black Jeans, Black Shirt, Black Fööss das ebenfalls thematisiert. Um was geht es bei Kein Wort, Claudia, Kneipenpazifisten, Ebertplatz?

Da hast du recht, Ehrenfeld und Black Jeans behandeln die Gentrifizierung Kölns. Kneipenpazifisten hingegen erinnert an all die guten Clubs und Bars in der Stadt, die es noch gibt oder die aus genau diesen Gründen inzwischen geschlossen wurden, der Text besteht zum Großteil aus den Namen ebendieser Clubs und Bars. Stereo, Frieda, Artheater usw. Claudia ist Teil des ursprünglichen römischen Namen Kölns und ist im Prinzip eine Art kritische Liebeserklärung für die Stadt. Dasselbe gilt für „Kein Wort“.

Das kann ja – mit einem Totschlagargument wie “ihr könnt nur meckern” von Politikerseite – schnell abgetan werden bevor mensch sich damit auseinandersetzen muss. Habt ihr denn konkrete Idee, wie das geändert werden könnte? Oder wie aktuelle Projekte intensiviert werden könnten, um das noch besser gestalten zu können?

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KMPFSPRT im Interview


Es ist wichtig, dass die Leute nicht aufhören, für ihre Stadt und um ihre subkulturellen Begegnungsstätten zu kämpfen. Wenn z.B. ein Club von der Schließung bedroht ist, muss man das nicht einfach hinnehmen. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gebäude 9, das vor kurzem vor dem Aus stand, dann aber eine große Kamapgne gestartet hat und von allen Seiten eine Menge Unterstützung erhalten hat – mit dem Ergebnis, dass der Laden heute noch steht und auch in Zukunft einer der besten Konzertorte Deutschlands sein wird.

Gibt es denn Stücke, vollständige Releases, die ihr gut findet und die sich auch mit einer bestimmten Heimat beschäftigen?

Das ist eine gute Frage, wäre mir bisher nicht aufgefallen. Es gibt aber viele Alben, die sich etwas indirekter mit einer Menge Aspekte ihrer Stadt beschäftigen, die ganzen NYHC Bands der 80er, 90er Jahre zum Beispiel. Da verbindet man einen bestimmten Sound direkt mit einer bestimmten Stadt, das finde ich schon imposant.

Was waren eigentlich die vorherigen Bands der einzelnen Mitglieder? Und wie viel von deren Einflüsse steckt noch in KMPFSPRT?

Richard und Dennis waren bei Fire in the Attic, Jan bei HEYRUIN, Max (früher) bei Days in Grief. Vermutlich kann man sein eigenes Songwriting nie ganz abschütteln, aber ich denke nicht, dass KMPFSPRT heute noch viel gemeinsam hat mit dem Sound der erwähnten Bands. Man entwickelt sich ja auch weiter, sowohl als Mensch wie auch als Songwriter, und will sich nicht ständig wiederholen. Daher steckt heute, außer grundlegenden musikalischen Vorlieben, nicht mehr viel von den alten Bands in KMPFSPRT.

Über welche Stadt sollte denn eurer Meinung ebenfalls gesungen werden, welches Format sollte gewählt werden für das Konzeptalbum und wer sollte es singen? Sollte es vielleicht sogar eine ganze (Vinyl-(Single-))Reihe geben in denen Städte besungen?

Eine Stadt über die man mal ein Album machen müsste, ist Tokio. Aber das kann eigentlich nur von dort lebenden Bands getan werden. Ging Nang Boyz zum Beispiel. Obwohl, die alten Weezer hätten es auch gekonnt!

© Uncle M Music - KMPFSPRT (7" Album) von KMPFSPRT
© Uncle M Music – KMPFSPRT (7″ Album) von KMPFSPRT

Wie sehen jetzt eure Zukunftspläne aus? Seid ihr eine Band, die für gestreamte Konzerte zu haben wäre oder verweigert ihr das?

Gestreamte Konzerte sind nicht so unser Ding, glaube ich. Nichts dagegen, wer das machen will, soll es machen, ich verstehe total den Impuls, einfach mal wieder zusammen auf einer Bühne zu stehen. Ich persönlich kann es mir aber nicht vorstellen vor Kameras, ohne die Energie der Leute vor uns zu spielen, da käme ich mir irgendwie komisch bei vor. Unsere Pläne sind einfach, die Corona-Pause so gut wie möglich für Songwriting und dergleichen zu nutzen, sodass wir, sobald man wieder raus darf, wieder Konzerte – hoffentlich mit einer neuen Platte im Gepäck – spielen können.

Danke für eure Zeit und das Interview. Die letzten Worte gehören euch an eure Fans, unsere Leser.

Vielen Dank für die fantastische Unterstützung in den letzten fast 10 Jahren – und auf die nächsten 10!

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