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Interview mit Zoodrake

Hilton Theissen von Zoodrake ist hier im E-Mail-Interview. Es ist, Corona hin, Corona her, meine bevorzugte Methode Interviews zu führen. Gesprochen wurde allerdings über Musik, Musik, Corona, Musik, Dark Millennium, Zoodrake, Akanoid und einiges mehr. Überzeugt euch selbst in diesem Interview davon.

(c) Daniela Vorndran / www.black-cat.de - Hilton Theissen - Zoodrake
(c) Daniela Vorndran / www.black-cat.de – Hilton Theissen – Zoodrake

Das Zoodrake Album purified erschien ja – damals schrieb ich – “mitten in der Corona-Phase”. Da konnte auch niemand ahnen, das wir da zwei, drei Monate später immer noch dabei sind und eine Option auf Verlängerung haben. Wie gehst du als Künstler damit um?

Bis vor 2 Tagen hatte ich noch eine wage Hoffnung, dass die geplante Tour und eine für den Winter geplante Festival Show unter Auflagen stattfinden könnten, aber eigentlich war ja klar, dass uns diese Krise die Konzert Durststrecke konsequent weiter verlängert. Als Künstler bange ich um die wundervollen kleinen und großen Locations und Schicksale der Betreiber, Techniker, des Personals und einiger Kollegen. Als Kulturschaffender kann man sich derzeit nur in mehrfacher Hinsicht an den Kopf fassen.

Hat die Corona-Zeit die Studioarbeit beeinträchtigt?

Eigentlich sehr wenig. Lediglich die Arbeit mit mehrköpfigen Bands hat derzeit ein alternatives Procedere bekommen, aber glücklicherweise tut die Krise der Motivation und Ambition der Kreativen hinsichtlich des Schaffens neuer Werke derzeit scheinbar keinen Abbruch. Und ich gewinne sogar noch etwas Zeit für meine anderen musikalischen Projekte.

Welche Projekte hast du aktuell eigentlich? Akanoid, Zoodrake und Dark Millennium, oder? Wie läuft es mit denen und gibt es dort ggf. Neues? Liegt der Fokus bei Akanoid mittlerweile wieder auf Electro – einiges deutete darauf an an Posts – ich persönlich fand die Melange zu 100 Burning Guitars sehr gelungen. In welche Richtung geht es weiter? Musikalisch und generell.

Das vierte in der Pipeline befindliche Projekt ist The Joke Jay, das in der Endphase der Produktion steckt. Dark Millennium haben mit dem Songwriting zum neuen Album begonnen und bereiten ein Special in Koop mit einigen Kollegen aus der Szene vor, das zum diesjährigen Gründungsjubiläum veröffentlicht wird. Akanoid arbeitet mit deftiger Verspätung am Remix Album und Zoodrake ist am ersten Remix für einen bereits etablierten Künstler. „100 burning guitars“ war ein wunderbarer Song, der ursprünglich ja nur ein Test für eine neue Gitarre war, und später die Bandphase einläutete. Allerdings kehrten wir bald danach zudem zurück, was Akanoid ausmacht und den Weg ebnete, Das Ying und Yang aus Uwes und meinen manchmal konträren und exzentrischen Ideen im elektronischen Gewand. Eine Prise dieser Epoche wird aber von Zoodrake weitergeführt.

So von Außen klingen deine Projekte immer anders aber ich wüsste gar nicht, welches dein Hauptprojekt wäre. Hast du eines oder wechselt das je nach Aktualität immer wieder?

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Interview mit Zoodrake


Das ist eine interessante Frage. Am Anfang war es Dark Millennium, später Akanoid, doch als Zoodrake ins Leben gerufen wurde, waren beide Bands wieder vollständig aktiv, wenn auch mit sehr entspannten Ambitionen. Meine Bands sind wie meine Kinder für mich, aber das jüngste hat den feurigsten Spieltrieb.

Purified klingt nach einer Selbstreinigung, Detox, wenn man so möchte. Was verarbeitest du nach all den Jahren als Künstler noch? Gibt es die Gefahr von Wiederholung bei dir? Oder sind es immer andere Aspekte eines Problems, die dich beschäftigen? Ist das Schreiben, Texten, bei dir auch eine Möglichkeit zur Selbstreflektion?

Purified ist genau das, und ein Befreiungsschlag obendrein, der mit schmerzhaften Kompromissen Schluss macht. Mit so viel Freiheit muss ich erstmal umgehen lernen ohne künstlerisch den Faden zu verlieren. Ich hatte in den vergangenen Jahren auch zu sehr anderen zugearbeitet und es ihnen recht gemacht. Leider wird eine entgegenkommende und großzügige Haltung in kreativer, leistungsbezogener und finanzieller Hinsicht oft in keinster Weise gewürdigt, und manchmal sogar noch mit mißgünstiger Häme oder Ignoranz bedacht, und ich beziehe mich hier nicht auf meine Kunden. So war der eingeschlagene Weg unvermeidlich, wenn auch steinig. Natürlich reflektiere ich in den Texten, stelle aber meine musikalischen Statements immer über die persönlichen lyrischen Inhalte.

© Echozone - Zoodrake - purified
© Echozone – Zoodrake – purified

In einem aktuelleren Interview hast du sinngemäß gesagt, dass du finstere, kranke und pathetische Themen magst. Magst du das näher erläutern? Was wäre für dich finster oder krank?

Es gibt Menschen, die mit gewisser Distanz den Schauer eines Horror Szenarios schätzen. Mich zieht es nicht nur an, ich könnte darin abtauchen. Dark Millennium schafft Raum für dieses Verlangen meiner Mitstreiter und mir, und wir leben Abgründe, bizarre Atmosphären und verborgene, dunkle Gefühle musikalisch aus. Aber ein paar Tröpfchen könnten früher oder später auch in den Zoodrake Cocktail hinüber schwappen.

Viele Künstler sagen, dass sie schon direkt nach den Aufnahmen zum jeweils aktuellen Album weiterschreiben für das nächste Release. Wie sieht das bei dir aus und welche Richtung (Genre, gitarrenlastiger oder mehr Synthie, im textlichen Sinne, …) nimmt das an?

Zoodrake macht nie wirklich Pause, von Zeit zu Zeit hält man spontane Ideen fest, und so steht das Konzept des nächsten Albums schon mehr oder weniger grob. Allerdings lasse ich mir mit der Ausarbeitung noch etwas Zeit, denn erstmal möchte ich das Album live präsentieren und die ersten Remixe raushauen. Die Gitarre wird immer mein Wegbegleiter sein, wenn sie auch bei Zoodrake dosiert zum Einsatz kommt. Dafür schwinge ich die Axt bei Joke Jay flächendeckend und kräftig.

Auftritte größerer Art fallen weg, bis zu einem gewissen Grad sind jetzt wieder welche im kleineren Rahmen erlaubt mit höheren Auflagen als zuvor. Tendierst du dazu, dass das wieder stattfinden sollte bzw. wie ist deine Einschätzung, wann es wieder losgeht mit den Gigs? Nutzt ihr Online-Auftritte aktuell?

Wir haben Online Auftritte vorerst für uns ausgeschlossen, da wir Publikumsnähe und Interaktivität mit den Konzertbesuchern auf die alte analoge Art lieben. Wir werden wohl abwarten müssen, bis ein Impfstoff die Auflagen Barriere verkleinert. Aber sollte es zu lange dauern, erwägen wir alternative Konzepte für eine adäquate Performance.

Wie sehen deine Zukunftspläne denn aus in Zeiten wie diesen? Wäre es eine Möglichkeit für Künstler sich nur auf Aufnahme zu konzentrieren, immer nachzuschieben ohne die wichtige Promo-Phase ohne dass die Aufnahme etc. durch Auftritte, den Merch-Verkauf finanziert? Was wäre deine Lösung?

Ich las gerade ein Buch von Geoff Emerich über die Produktionen mit den späten Beatles, die sich ja in den letzten Jahren ihrer Karriere dazu entschlossen, keine Konzerte zu geben. Sie achteten daher auch beim Produzieren bewußt nicht mehr auf Live Umsetzbarkeit. Heute stellt zwar Letzteres kein Problem mehr dar, und es gibt imer noch Bands die so gut wie nicht live auftreten, aber physische Verkäufe werden in meinen Szenen hauptsächlich auf Tour generiert, und das ist ein ausschlaggebender Faktor. Natürlich sind wir alle besser vernetzt als früher, und mit zum Teil fantastischen Features, aber nichts geht über die Atmosphäre, die Stimmung und das Erlebnis eines Live Konzerts. Die gemeinsame Zeit und der Austausch mit anderen Menschen ist Brot für die Seele. Ich maße mir nicht an, die Haltung in den Köpfen unserer Gesellschaft hinsichtlich ihrer Grundbedürfnisse ändern zu wollen, aber andere Zeiten erfordern manchmal neue Wege, und die werden mit Autokino Konzerten und hakeligen Streams jenseits der Live DVD Qualität nicht das Ende der Fahnenstange erreicht haben.

Danke die letzten Worte gehören dir, Zoodrake und deine anderen Bands und Projekten.

Ich bedanke mich für das Interesse und wünsche Euch weiterhin starke Nerven, einen langen Atem und gute Gesundheit!