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ADFC: Deutschland weiterhin abhängig vom Auto – wenige attraktive Alternativen

Laut dem ADFC ist Deutschland weiterhin abhängig vom Auto. Als Grund werden zu wenige attraktive Alternativen angeführt. Die Studie Mobilität in Deutschland 2018 wurde am Freitag vom Bundesministerium publiziert.

Daraus geht hervor, dass das Auto weiterhin das mit Abstand stärkste genutzte Verkehrsmittel ist. Seit 2008 hat der Fußverkehr sogar abgenommen. Der ADFC führt das auf falsche Schwerpunkte in der Verkehrspolitik zurück und fordert hohe Investition in Rad, Fuß und ÖPNV.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagt: „Eigentlich haben alle die aufmerksam sind verstanden, dass es mit der Autokultur in Deutschland so nicht weiter geht. Das liegt gar nicht allein am unverzeihlichen Schummelkurs der Autoindustrie. Die Bürgerinnen und Bürger haben gemerkt, dass verstopfte und verpestete Städte, der zunehmende Stress durch Lärm, Geschwindigkeit, Aggression und Gefahr – und auch der ewig sitzende Lebensstil uns einfach nicht gut tun. Gefühlt gibt es einen gesellschaftlichen Konsens, dass wir Verkehr anders organisieren müssen, damit es allen besser geht. Aber diese Erkenntnis ist in der Wirklichkeit nicht angekommen. Deutschland bleibt abhängig vom Auto. Schuld ist eine mut- und ideenlose Verkehrspolitik.“

Der Radverkehr hat sich nur minimal von 10 auf 11% steigern können. Angestrebt sind allerdings 25%. Stork: „Der Beweis ist da: Die dringend notwendige Verkehrswende passiert nicht durch Förderung von Elektroautos. Deutschland braucht einladende Radwege, hervorragende Gehwege und einen super-attraktiven ÖPNV! Stattdessen werden sogar die wenig ambitionierten Ziele des NRVP verfehlt!“

Unter anderem aus den Niederlanden ist schon länger bekannt wie guter Radverkehr sowie eine gute Infrastruktur in Form von zusammenhängenden Radwegen funktioniert. Bei den pro Kopf Investition aber kein Wunder. In deutschen Kommunen oft weniger als 5 Euro pro Kopf, in Utrecht 132 € pro Kopf und Jahr. Stork: „Das Fahrrad braucht mehr Platz – und mehr Geld. Während Utrecht 132 Euro pro Kopf und Jahr in den Radverkehr investiert, sind es in den meisten deutschen Kommunen weniger als 5 Euro! 30 Euro pro Kopf und Jahr für den Radverkehr müssen es mindestens sein!“

Immer mehr Autos, besonders SUVs und Vans erfreuen sich großer Beliebtheit. Stork: „90 Prozent der Autofahrten dienen nicht dem Lastentransport – und 50 Prozent sind unter 6 km lang! Warum machen die Menschen diesen Irrsinn? Weil unsere Straßen die Botschaft senden: Nimm das Auto – ein möglichst großes! Alles andere ist unbequem und gefährlich!“

Bus und Bahn kassieren eine schlechte B-Note und erreichte nur ein Wachstum von 9 auf 10%. Stork: „Auch Bus und Bahn müssen attraktiver werden, den Menschen mehr Komfort und Freiräume bieten. Die Bahnhöfe müssen zu Mobilitäts-Hubs weiterentwickelt werden, an denen man aus einer ganzen Fülle von Alternativen für die letzte Meile wählen kann – und das Rad sollte die naheliegendste Alternative sein!“

Auch sollte nicht unerwähnt sein, dass es bereits weltweit erprobte Konzepte für attraktive ÖPNV gibt. In Potirendaba, SP, Brasilien gibt es schon seit 1998 kostenlose ÖPNV, für rund 15.000 Personen. In Maricá, RJ, Brasilien gibt es kostenlosen ÖPNV für über 140.000 Menschen. Falls wem das zu weit weg ist: Żory, Polen. Kostenlose ÖPNV für jeden. Mons in Belgien gehört ebenfalls dazu. Abgesehen von Lübben und Templin in Deutschland, hat das keine Stadt bisher probiert. Und selbst die beiden haben mittlerweile aufgehört. Seit dem 10. Februar 2018 gibt es in Tübingen den kostenlosen ÖPNV Samstag. Kostenlos und ohne Ticket. Im Sommer soll ein Fazit gezogen werden und ich hoffe ein anständiges. Von Umweltministerin Hendricks, Verkehrsminister Schmidt und Kanzleramtschef Altmeier kam im Februar 2018 der Vorschlag für ein Maßnahmepaket für kostenlosen Nahverkehr und einer Testphase in den Städten Bonn, Essen, Herrenberg, Reutlingen und Mannheim. Sollte dieser Pilotversuch erfolgreich verlaufen, wird eine Ausdehnung auf ganz Deutschland in Erwägung gezogen.

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