(c) Seadrake
Interviews

Seadrake im Interview

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Nach der CD Kritik zum Debütalbum Isola von der Band Seadrake gab es danach relativ zügig, danke dafür an die Band, ein feines Track By Track Special und nun das Interview. Denn nicht nur die Band wirft Fragen auf, sondern auch das, was sie sagt. Daher standen mir freundlicherweise Mathias und Hilton für das Interview zur Verfügung. Wir haben über die Band Seadrake genau so gesprochen wie über Isola, aber auch über Casting-Shows, wie Musik helfen kann, Depressionen und einigem mehr.

1. Unter welchen Umständen und wann haben sich Seadrake zusammengefunden?

Mathias: 2012 habe ich meine vorherige Band Minerve nach 10 Jahren verlassen, weil ich mich ausgebrannt fühlte und auch generell den sog. Musikzirkus hinter mich lassen wollte. Irgendwann begann ich, nur für mich, an einigen Demos zu arbeiten und etwas später hatte ich dann die Idee, dass Sänger diverser Bands diese Demos besingen könnten. Hierzu gehörten sowohl Frank M. Spinath (Seabound) als auch Hilton Theissen (Akanoid). Mit Beginn der Studioaufnahmen kristallisierte sich heraus, dass Hilton auf der Suche nach einer neuen Herausforderungen war und nach einigen Gesprächen wurde er dann später permanenter Sänger bei Seadrake. Ein echter Glücksgriff, aus meiner Sicht, denn er ist nicht nur einer der besten Sänger in diesem Genre, sondern auch ein sehr guter Songwriter, Gitarrist und Produzent. Und in der Konstellation haben wir dann weiter an neuen Ideen und Songs gearbeitet.

2. Ab welchem Zeitpunkt war die aktuelle Besetzung fest und mit welchen Gründen wurde die Entscheidung gefällt? Also, was waren die Kriterien, die dazu führten, das jetzt die Mitglieder fest bei Seadrake sind?

Mathias: Hilton und ich hatten immer das Gefühl, dass wir noch einen zusätzlichen Mitstreiter in der Band bräuchten, jemanden, der uns in allen Punkten unterstützen kann. Diese Person fanden wir im Schweden Rickard Gunnarsson (Lowe), der nicht nur Piano und Bass spielt und ein guter Sänger ist, sondern auch in Businessangelegenheiten sehr versiert ist. Wir haben uns dann alle zusammen in Berlin getroffen, geredet, Ideen ausgetauscht und ab diesem Abend stand das Lineup für unsere gemeinsame Band SEADRAKE fest.

3. In unserem Track By Track Special ist sehr oft die Rede von (sehr) persönlichen Texten und Songinhalten. Magst Du das vielleicht näher ausführen?

Hilton: Unsere Lyrics suchen die Funktionalität in Verbindung mit der Musik, geben jedoch auf den zweiten Blick kleine Stories und tiefsinnigere Gedankengänge preis. Ich pflege metaphorisch und weitestgehend interpretierbar bei meinen Texten zu bleiben, wie zum Beispiel bei „On the run“. Bei diesem Song geht es ein stückweit um Resignation durch Enttäuschung, aber auch um einen Zustand der Paralyse, in dem nur ein “inneres” Davonlaufen stattfinden kann. Manchmal jedoch, wie im Fall von “Room 316” wird eine konkrete Geschichte erzählt, indem sich zwei Menschen in einer fremden Stadt über den Weg laufen, eine leidenschaftliche Affäre in besagtem Hotel Raum beginnen, aber wissen, dass sie in ihr Alltagsleben zurückkehren müssen, und daraufhin mit gescheiterter Hoffnung, Vorwürfen und Depression zu kämpfen haben.

4. Eine etwas andere Frage: Seid ihr schon mal mit Depressionen und / oder anderen psychischen Krankheiten in Berührungen kommen (direkt und / oder indirekt ist egal)? Falls ja, wie ist eure Erfahrung damit und was würdet ihr Menschen mit auf den Weg geben (egal, ob jetzt euch bekannt oder unbekannt)?

Mathias: In meinem Umfeld ist mir bisher niemand bekannt, der mit Depressionen oder psychischen Krankheiten zu kämpfen hat. Auch mein Wissen über das Thema Depressionen ist zu gering, um hierzu etwas sagen zu können. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich aber sagen, dass der Kampf gegen seinen eigenen Kopf der Anstrengendste ist und hierbei Psychotherapien durchaus helfen können.

Hilton: Ich habe einige harte Enttäuschungen in meinem Leben hinnehmen müssen von Scheitern bis Verrat, Gott sei Dank ist mir das Thema Depressionen jedoch bislang erspart geblieben, möglicherweise auch durch die eigenbetriebene musikalische Langzeit-Therapie 😉

5. Als Künstler wisst ihr sicherlich auch die Möglichkeit zu schätzen, euch kreativ ausleben zu können. Wie sehr hilft es euch bei der Problembewältigung, wie sehr kommt das wieder hoch, wenn der Song gespielt wird und wiegt, wenn es passiert, die Tatsache, dass ihr euch das gerade von der Seele singen / spielen können die Tatsache auf, dass es wieder hoch geholt (die Erinnerung) wird?

Hilton: Jeder Song hat eine Evolution. Von der Idee, deren Kern alles von einem einzigen Klang, einer Sequenz, einem Riff,  bis hin zu einem fertigen Eindruck sein kann. Manchmal ist der Transport, der am Anfang angestrebten Emotion, ein Eierlauf und nicht immer ist das ausproduzierte Ergebnis das Resultat dieser Grundidee. Je länger man jedoch Musik produziert, desto besser gelingt einem das. Aber selbst nach der Veröffentlichung des Titels ist diese Evolution, wie in der Frage angesprochen, nicht abgeschlossen, sondern schreitet in der immer wieder veränderten Live Interpretation weiter fort. Mir war das Prinzip der Flaschenpost in der Musik immer wichtig und ich freue mich, wenn Botschaften ankommen und von Hörern reflektiert werden. Zudem überwiegt manchmal auch das überwältigende Gefühl der Gemeinsamkeit z.b. wenn das Publikum einen Song fühlt und sogar mitsingt, was natürlich beide Seiten glücklich macht, auch wenn sich die Urbotschaft verändert hat.

6. Wie ist das Feedback zu Isola bisher, wie zufrieden seid ihr mit dem Album und was bedeutet der Name (generell und für euch im Speziellen)?

Mathias: Die Feedbacks zum Album sind überraschend euphorisch. Überraschend deshalb, weil wir auf dem Album nicht den klassischen Synthpop bieten, den man sonst in diesem Bereich erwarten würde. Aber mir scheint, dass genau darauf die Leute gewartet haben. Klar, ein Synthpop-Purist wird sich mit ISOLA schwer tun, schon allein wegen der vielen Gitarren, aber mich würde es nicht wundern, wenn auch er nach einer Weile gefallen an dem Album finden würde. Das Album bietet viele Reibungspunkte und ich glaube, das macht es auch zu einem spannenden Hörerlebnis. Der Titel das Albums war die Idee von unserem Rickard und ist eine Art Verbeugung vor seinem grossen musikalischen Helden David Bowie, der wohl seine allererste Tour unter dem Namen ISOLA durchführte. Wir haben ihm das einfach mal geglaubt, schon allein, weil wir den Albumtitel toll fanden *lacht

Hilton: Die Resonanzen sind wirklich klasse und wir hätten niemals gedacht, dass wir mit dem Album auf Platz 1 der GEWC Charts und auf Platz 8 in den DAC Charts landen würden. Hinzu kommt, dass unsere Singles auch in den iTunes Alternative Charts landeten und dort teilweise von Coldplay und den Editors umringt waren, eine echte Überraschung für einen „Newcomer“ wie uns.

7. In einem anderen Interview hast Du, Hilton, gesagt, dass Du schon mal an einer Casting Show teilgenommen hast. Welche war das? Da es erfolgreich war, so steht es im Interview: mit wem konntest Du arbeiten, wie waren dort die Erfahrungen und was hat es Dir letztendlich gebracht?

Hilton: Das war im Jahr 2000 bei dem RTL Format „Deine Band“. Es war interessant genug, um festzustellen, dass solche Formate den Produktionsfirmen und den Sendern die Taschen voll machen, nicht aber den Teilnehmern. Ich arbeite derzeit unter anderem als Produzent für das kleine Format „Luxembourgs Next Popstar“, das zumindest innerhalb seiner ersten zwei Staffeln jungen Talenten einen Anschub geben konnte – und das ohne reisserische Demütigungen und nervlichen Druck auskommt. Wir haben damals viele Prominente kennengelernt und auch wieder aus den Augen verloren, aber jedenfalls war ich klug genug, um ein AKANOID Shirt in einer der Sendungen zu tragen *lacht. Leider konnte ich aber bei meiner eigenen – so gut wie ausverkauften – Debut Album Release Show nicht mitspielen und wurde von jemand anderem vertreten. So sass ich dann traurig mit einer Flasche Schampus in meinem Zimmer in der riesigen RTL Villa und schüttete mich zu…never again.

8. Mathias, in einem Interview sagtest Du, dass Du jeden als Helden ansiehst, der ausgeglichen und glücklich zurück blicken kann. Mit Bezug auf einer vorherigen Frage (#4): Was ist, wenn die Person dafür nichts kann und dazu, aus welchen Gründen auch immer, nicht fähig ist?

Mathias: Man könnte auf die Frage salopp antworten „Dann sorge dafür, dass du ausgeglichen und glücklich bist!“, aber wie ich vorhin schon erwähnte, ist der Kampf gegen den eigenen Kopf der Allerschwerste und nicht so einfach zu gewinnen. Deine Frage hat mich lange nachdenken lassen und aus meiner heutigen Sicht würde ich sagen, dass man das oben genannte Wort „Helden“ gegen das Wort „Glückspilz“ austauschen müsste, denn es gibt leider viele Menschen, die nicht in der Lage sind, sich glücklich und ausgeglichen zu fühlen, aber durchaus Helden für Andere sein können. Ein gutes Beispiel hierfür ist der verstorbene Linkin Park Sänger, der mit seinen Texten sehr viele Menschen berührt und glücklich gemacht hat, aber selber mit vielen düsteren Dämonen zu kämpfen hatte.

9. Bei vielen Bands hört man immer: 30, 50 oder sogar mehr Stücke geschrieben, letztendlich landen grob 10-12 Songs auf einen Longplayer. Wie war das bei Isola? Reifen andere Stücke noch bis zum nächsten Longplayer und weshalb schafften sie es nicht auf das aktuelle Album?

Mathias: ich glaube eins zwei Lieder haben wir während der Aufnahmen verworfen. Die sind einfach im Müll gelandet, weil sie irgendwie nicht zu uns passten. Und dann gab es auch noch zwei drei weitere Lieder die es nicht mehr aufs Album geschafft haben, weil die Zeit im Studio irgendwann einfach zu Ende war. Diese Lieder werden natürlich jetzt fürs nächste Album aufbereitet und ich kann versprechen, dass das zweite Album wieder anders klingen wird *grinst.

Hilton: Trotz der Vielfalt gibt es eben Grenzen, die durch einige musikalische Themen gesprengt werden. Aber ein paar Themen, die Gott sei Dank noch reifen, werden beim nächsten Album in ihre Entwicklung abgeschlossen sein und dann ihren Reiz im Rahmen des neuen Albumkonzeptes entfalten.

10. Wenn man je eine Überschrift für Isola wählen müsste die die Texte, die Musik und einmal das Gesamtpaket beschreibt, welche wären das?

Mathias: Akanoid + Lowe + Minerve = SEADRAKE

Hilton: Alternative Art Pop

11. Was sind eure Zukunftspläne? Ist eine Tour in Planung und wenn ja, wohin wird es grob gehen?

Hilton: Einzelshows sind bereits in Planung, beginnend mit Polen und Schweden, es ist aber noch nicht klar, auf welche Tour wir aufspringen können, da laufen aktuell noch diverse Gespräche. Am besten die Leute schauen immer mal auf unserer Homepage www.seadrakemusic.com vorbei, denn da werden alle wichtigen Neuigkeiten gebündelt zu finden sein.

12. Hier ist Platz für die obligatorischen Grüße, Links und Embedding-Codes für Videos sowie weitere Hinweise.

Hilton: Wir danken dem gewogenen Leser und der Redaktion fürs Interesse und freuen uns auf ein nächstes Mal. Wir geben Gas, bis bald!

Links zu einigen unserer Videos:

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