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Interviews

Ronja vom Plastic Bomb Fanzine im Interview

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Mit Ronja vom Plastic Bomb Fanzine konnte ich kürzlich ein feines E-Mail-Interview machen. Wir haben uns über das Fanzine, klar, oder?, dem Mailorder aber auch das Label erhalten. Außerdem kamen zu Wort: Stress, Spaß, Existenzangst und weitere Kandidaten mit denen man, entscheidet man sich für ein derartiges Unterfangen, irgendwie zurecht kommen muss, sich arrangieren sollte. Irgendwie. Nicht immer einfach, aber anscheinend spannend genug, um weiter zu machen. Wie die Übernahme zustande kam, warum und wie leicht verschiedene Entscheidungen gefallen sind und vieles mehr erfahrt ihr hier. Viel Spaß beim Lesen des Interviews mit Ronja vom Plastic Bomb Fanzine.

1. Hallo Ronja, vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, dir geht es gut und dein Start in den Tag ist gelungen. Vielleicht kannst du dich unseren Lesern einmal vorstellen und was du so machst.

Hey Oliver. Danke fürs Interesse 🙂 Ich bin die Herausgeberin des Plastic Bomb Fanzine und die Inhaberin/Geschäftsführerin des Plastic Bomb Mailorders. Da kümmere ich mich um die Firmenleitung und um die Textilen im Shop. Außerdem betreue ich den Großteil der Labelbands und kümmere mich um neue Platten-Deals für Plastic Bomb Records.

2. Das Fanzine Plastic Bomb habe ich früher regelmäßig gelesen, und seit kurzem auch wieder. Wahrscheinlich hat es meinen Musikgeschmack und meine Einstellung zumindest mitgeprägt. Ebenso natürlich alles andere, was ich zu dem Zeitpunkt an Büchern, Fanzines, Musik, etc. verschlungen, gehört und gelesen habe. Wie war dein erster Kontakt mit dem Fanzine? Ich kann mich zumindest nicht an deinen Namen erinnert, was nichts heißen muss. Vielleicht warst du allerdings tatsächlich noch nicht dabei. Das war zu Zeiten von Micha, Swen, Helge, Frank, ich glaube einer von den Mars Moles hat noch dort geschrieben.

Ich bin seit der Ausgabe #56 Autorin bei der Bombe. Vorher hatte ich mein eigenes Zine, das INFLUENZA hieß. Davor hab ich selbst in erster Linie Zines von Freunden gelesen: Human Parasit, Bundschuh, Rohrpost, Sabbel und natürlich das Plastic Bomb.

3. Wie kam es eigentlich dazu, dass du Fanzine als auch Label übernehmen konntest / wolltest?

Ich arbeite ja schon seit 9 Jahren beim Mailorder. Ich hab nach und nach immer mehr Verantwortung für den Shop und das Label übernommen weil Micha sich nach und nach weiter raus gezogen hat. Irgendwann wollte er dann Haus und Hof überschreiben und ich war die legitime Nachfolgerin.
Keine Ahnung, ob es überhaupt andere Menschen gegeben hätte, die an der Firma interessiert gewesen wären. Aber ich war die Einzige, die in der Lage war, das genau so weiter zu führen, wie sie in den letzten Jahren von uns allen aufgebaut worden ist.

4. Ich habe „nur“ ein Webzine und finde den Zeitaufwand schon riesig. Ist die „Bombe“, wie das Fanzine auch genannt wird, und das Label dein Hauptberuf? Falls ja, wie bekommst du das hin, was für Hürden musstest du nehmen oder stehen immer mal wieder auf dem Schirm? Falls du nebenbei noch arbeiten musst: WTF? Will ich das wissen, wie du das zeitlich bewältigst? Nein, im ernst, ich würde das dann gerne auch wissen.

Mein Hauptberuf ist der Mailorder. Neue Klamotten listen, mein Kollege Rob listet die neuen Platten. Die 3. Person ist Schlossi, die macht die Buchhaltung. Wir alle stehen im Lager. Klar ist das ein riesen Haufen Arbeit, der sich nicht selten in unser Privatleben rein zieht. Wir machen oft Plattenstände auf Konzerten und die Beiträge fürs Heft machen wir genau so in der Freizeit, wie die Leute aus der Redaktion.
So lange es läuft, das heißt so lange genug Bestellungen über den Shop rein kommen, die Leute das Zine kaufen und die Releases auf dem Label gut ankommen, ist das alles ok und gut zu ertragen. Aber wenn dann im Sommerloch auch noch die üblichen Existenzängste drauf kommen, macht das alles weniger Spaß.

5. Gibt es eigentlich Themen, die in dem Fanzine nicht willkommen sind? Also, abgesehen von ganz offensichtlichen Dingen wie Rassismus, Faschismus, Sexismus, … Würde jetzt darauf tippen, dass es einen Grenze gibt, schon alleine damit die Seitenanzahl nicht jedes Mal rigoros überschritten wird.

Eigentlich ist jede_r Stammschreiber_in berechtigt, über das zu schreiben, was sie/er als relevant empfindet. Klar sag ich irgendwann „müssen wir da jetzt schon wieder drüber schreiben?“ oder „die Band hatten wir erst vor 2 Ausgaben“. Aber wir sind 20 Leute mit unterschiedlichsten Interessen, da kommt viel cooles Zeug zusammen.
Gleichzeitig sind die Schreiber_innen ja alle coole Menschen mit einer geilen Grundeinstellung, da ist die Gefahr gar nicht so groß, dass da jemand mit nem Scheiß-Artikel ankommt.
Und wenn Basti plötzlich doch mal wieder über „seine Haltung zum modernen Feminismus“ schreiben muss, halten die Anderen das schon irgendwie aus.

6. Apropos: Ihr habt keine CD Beilage mehr. Gut, es machen viele so. War das eine leichte Entscheidung für euch? Gab es Gründe dafür, das jetzt bzw. generell zu ändern?

Jaaa, klar gab’s Gründe. Und die Entscheidung hab ich mir nicht leicht gemacht. Ich hab da in meinem Vorwort schon ziemlich viel zu geschrieben, daher nur die Eckdaten:
Es waren immer weniger Bands interessiert, mitzumachen.
Es wurde immer mehr Arbeit, die CD voll zu kriegen.
Am Ende hat es sich einfach nicht mehr rentiert, bzw wir haben drauf bezahlt.
Und wir sind der Meinung, dass man sich in 2018 auch mal von so nem ollen Medium trennen kann und neue Wege beschreiten kann.

7. Nochmals wegen der CD Beilage: Der Rückschluss, es gibt keine Beilage mehr, dann doch mehr Seiten ist wahrscheinlich nicht richtig, oder? Gibt es aber dahingehend Ideen / Pläne das größer zu machen oder ist der Preis schon jetzt ausgereizt und ihr müsstet diesen überdenken?

Der Preis von 3,50 Euro ist trotz Wegfall der CD eigentlich noch zu gering. Das heißt, wir müssen jetzt entweder nochmal schlanker werden, oder den Preis erhöhen. Ich geh davon aus, dass der Preis so bleibt.
Klar kannst du am Zeitschriftenkiosk Magazine mit mehr Seiten für 1.- Euro kaufen. Aber die sind randvoll mit teurer Werbung. Oder sie haben einen Medienkonzern im Nacken. Wir haben das beides nicht.

8. Bist du mit dem Cradle 2 Cradle – C2C – Prinzip vertraut? In Kürze bedeutet es einfach, dass es beim Abfall einen Kreislauf gibt, der immer wiederkehrend ist und Stoffe, die verwendet wurden, nicht verarbeitet werden müssen, um erneut verwendet werden zu können. Die technischen Komponente aber auch Metalle / Holz sind dann optimal verarbeitet und können beispielsweise vom Bett getrennt und als Tischelemente, Sofa, Stuhlteil et cetera weiterleben. Plastik gibt es da nicht mehr und alles besteht aus kompostierbaren Materialien. Papierersatz wird aus verschiedenen kompostierbaren Materialien hergestellt, gedruckt wird mit biologisch-abbaubaren Farben, die keine gesundheitlich bedenklichen Inhaltsstoffe beinhalten usw. Worauf ich hinaus will: Was müsste zum Beispiel passieren damit das auch Fanziner nutzen würden beim Druck der jeweiligen Ausgabe?

Nö, den Begriff hab ich noch nie gehört. Aber so wie du’s erzählst, klingt das doch sehr interessant. Ich wüsste aber nicht, wie wir uns mit dem Fanzine da einbauen sollten. Wir recyceln unser Papier nicht selbst, bzw drucken das Heft nicht selbst. Aber ich bring nach dem Redaktionsschluss mein Flaschenpfand zum Supermarkt, haha!

(c) Plastic Bomb #104
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9. Ich kann mir vorstellen, dass die ganzen Reviews auch mal nerven. Also, dauernd einer der/die das besser weiß, dauernd wird genörgelt usw. Da muss man ein hartes Fell haben und / oder reflektieren bzw. darauf Fäkalien werfen. Je nach dem wie konstruktiv und angebracht das ist. Wie gehst du / ihr damit um?

Gar nicht. Wenn die Bands/Labels mein Review lesen, ist das Heft ja schon draußen, haha. Da kann man nichts mehr machen. Und sowas wie ne Gegendarstellung würde mir im Traum nicht einfallen. Es gab schon Bands, die unzufrieden waren und die dann klammheimlich die CD nochmal an jemand anderen aus der Redaktion geschickt haben, damit sie fürs nächste Heft nochmal besser besprochen wird. Aber denen sind wir bisher immer auf die Schliche gekommen.
Klar kommen da viele idiotische Jammermails an, aber du hast es ja schon gesagt, ohne dickes Fell geht da gar nichts. Und oft lachen wir beim Redaktionstreffen gemeinsam über die „Beschwerdemails“.

10. Kann man Bestellungen aufgeben und abholen bzw. spontan vor Ort auftauchen und einkaufen gehen beim Mailorder? (Himmel, den hab ich vorhin vergessen bei Frage 4…)

Du kannst im Shop bestellen und dann ne Abholung vereinbaren. Wir haben ein Lager+Büro in Duisburg, aber kein Ladenlokal. Wenn wir die Leute kennen, die vorbei kommen, dürfen die auch mal allein durchs Lager gehen und Platten aussuchen. Bei Leuten, die wir nicht kennen, ist das problematisch, weil wir ja weiter arbeiten müssen.
Aaaaaber (großes Geheimnis): Wir planen für die Weihnachtszeit nen Pop-Up-Store! Ankündigung folgt 🙂 Und am 15.September kannst du gern zu unserem Lagerverkauf kommen, da spielen Kackschlacht live!

11. Plastic Bomb wird an mancher Stelle als Imperium betitelt. Da ist man sicher auch manchmal stolz drauf. Kannst du einmal 5 positive und 5 negative Aspekte (gerne auch für Fanzine, Labale und Mailorder getrennt) nennen?

Haha, jaaa, klar bin ich stolz drauf, dass ich ne eigene Firma habe, von der ich +2 leben können. Und dazu ein Zine, das so viel Aufmerksamkeit kriegt und ein Label, auf dem geile Bands sind.
Positiv:
Arbeiten mit Freunden im entspannten Umfeld
Eigene Entscheidungen treffen können
Neue Ideen ausprobieren können
Halbwegs flexible Arbeitszeiten
Menschen geile Musik zugänglich machen können

Negativ:
Sich mit den Anforderungen an eine GmbH rum schlagen zu müssen (Finanzamt, Berufsgenossenschaft, etc)
Nie länger als 1 Woche frei haben zu können
Zu unfreundlichen Kunden freundlich sein zu müssen
Existenzängste
Die Chefin raus hängen lassen zu müssen, wenn’s im Betrieb nicht läuft

12. Letzte Frage: Welche Zukunftspläne hast du / habt ihr für Plastic Bomb (allgemein, nicht ausschließlich auf das Fanzine bezogen)? Und welche Tipps würdest du nennen, die man umsetzen sollte, wenn man eines von den drei Dingen starten möchte?

Hmmm…wie schon gesagt, um die Weihnachtszeit rum sowas wie nen Plattenladen, den wir grade planen. Das wird ne temporäre Sache. Außerdem der Lagerverkauf Mitte September.
Das Heft muss nochmal neu geplant werden, was den Umfang bzw die Finanzierbarkeit angeht, hab ich auch schon erzählt. Und wie wir das Heft wieder mehr in Szeneläden, also Plattenläden, Klamottenläden usw unterkriegen.
Ich hoffe, dass es bald neue LPs von Indian Nightmare und Totenwald gibt. Und wir machen Anfang 2019 nochmal ne A+P Platte. Außerdem dürfen wir die 2. Horror Vacui LP nachpressen, das liegt mir persönlich sehr am Herzen.
Und 100blumen haben nächste Woche Releseshow zum neuen Album, das wird super!
Außerdem müssen wir zusehen, wie wir „unser Imperium“ noch besser in der Digitalen Welt unterkriegen, dazu geht Ende der Woche hoffentlich erst mal unsere neue Homepage auf Sendung!

13. Danke fürs Interview. Hier Platz für letzte Worte, Grüße, Links, Ankündigungen etc.

Jaaa. Auf jeden Fall Grüße und Danke:
Meineid, Rob, Schlossi, Mike. Für ihren Support und ihren Humor, ohne den würde ich untergehen.
Danke an dich Oliver, dass du die Fanzinerlandschaft um ein Onlinezine bereicherst.

—- ENDE —-

Einige Verweise, die ich gerne hier sehen würde. Schaut mal vorbei.

Hier geht es zum Plastic Bomb Shop und hier ist das Fanzine bald – denke und hoffe ich – wieder zu erreichen. Einfach ab und mal versuchen.

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One thought on “Ronja vom Plastic Bomb Fanzine im Interview”

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