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Jack Torrance im Interview

Mit der Band Jack Torrance konnte ich kürzlich ein Interview via E-Mail führen. Genauer gesagt beantwortete die Fragen Matze, Sänger und Gitarrist der Band. Anlass war das Debütalbum flickering lights, die Review befindet sich hier und es gibt hier noch ein Track By Track-Special in dem die Band die Texte vom Longplayer erläutert. Wir haben neben dem Studioalbum auch die Besetzung sowie die musikalische Vorgeschichte zum Thema gemacht. Aber auch etwas schwierigere Themen nicht rausgehalten, die auch auf dem Album behandelt werden. Zu nennen wir dabei Suizid und Beziehung. Aber lest selbst.

© Christine Olma – Jack Torrance
© Christine Olma – Jack Torrance

Hallo und willkommen zum Interview. Danke für eure Zeit für das tongues of destruction Magazin! Wie geht es Dir, wo bist Du gerade?

Hi! Erstmal Danke Dir, dass Du Dir die Zeit für uns nimmst und uns eine Plattform bietest. Ich bin gerade zu Hause in Coburg und bin gespannt was das Tief Sabine mit verbundener Sturmwarnung hier alles anrichtet. Hoffentlich nicht allzu viel. Das Haus ist noch lange nicht abbezahlt…

Mit flickering lights gab es, wenn ich es korrekt in Erinnerung habe, direkt euer Debütalbum. Wie kam es dazu? War es euer erstes Release?

Flickering Lights ist tatsächlich unser Debutalbum. Wir haben vorher auch kein Kleinformat oder ähnliches veröffentlicht. Bis zum Album war der Weg sowieso schon ziemlich lang, somit haben wir alles was wir bis dato geschrieben hatten auch auf das Album gepackt. An den Songs selbst haben wir lange gearbeitet und da wir keine Band sind, die es schafft sich mehrmals in der Woche im Proberaum zu treffen weil jeder von uns ja auch arbeitet, zwei von uns Kinder haben und überhaupt auch häufig einfach das Leben dazwischenkommt und Zeit dann immer knapper wird, haben wir ziemlich lange gebraucht, die 9 Songs fertig zu bekommen. Das Ganze hatte aber auch den Vorteil, dass man dann immer wieder mit etwas Distanz an die Songs herangehen konnte.

Vielleicht kannst Du einmal die Bandmitglieder vorstellen. Wo habt ihr getroffen / gefunden? Kanntet ihr euch schon vorher?

Da wären einmal Eric dr/voc, Christiane b, Franz Git/voc und ich, Matze voc/git.
Nachdem ich meine vorherige Band aufgelöst hatte war mir zwar klar, dass Musik auf jeden Fall weiterhin ein großer Bestandteil meines Lebens sein wird, die Umstände waren dann aber erst einmal ziemlich schwierig. Ich musste z.B. erst einmal einen neuen Proberaum finden. Eine wirklich erfüllende und spaßige Aufgabe. Nicht. Nachdem der endlich gefunden war, habe ich ganz klassisch durch Aushänge und zeitgemäß auch durch soziale Netzwerke nach Mitmusikern gesucht. Bandname war für mich klar und auch die ungefähre musikalische Ausrichtung. Eigentlich wollte ich in meiner neuen Band nur Gitarre spielen und mich auf Backing-Vocals beschränken. Wie wir jetzt wissen kam das dann anders. Franz war der erste der Bock hatte. Der war gerade aus beruflichen Gründen von Ingolstadt nach Coburg gezogen und suchte musikalischen Anschluss. Dann waren wir eine ganze Zeit ein Duo und haben Riffs und Ideen gesammelt. Erich und Christiane kamen erst später und mit ganz viel Glück dazu. Christiane und Eric kannte ich schon länger. Von Eric wusste ich vorher aber z.B. gar nicht, dass der auch Schlagzeug spielt, da ich ihn nur als Sänger kannte. Christiane sagte irgendwann mal, dass sie mal im Proberaum vorbei kucken würde. Seitdem war sie dann auch dabei, obwohl sie es glaube ich erst später bemerkt hat. Haha.

Ihr habt auch alle schon in Bands gespielt. Welche waren respektiv sind das? Welche Stile werden dort gespielt?

Christiane spielt noch Bass bei Plastikschmidt, eine Coburger Punkband die ihrer Musik selbst mit „Schrottpop“ tituliert. Eric singt noch bei Deathjocks und Anti-Control, beides in Schweinfurt ansässige Hardcore-Punk Bands. Franz hat seine alte Ingolstädter Band Drey wieder reaktiviert, seitdem er auch wieder nach Ingolstadt zurückgezogen ist und macht mit denen Rock. Ich persönlich habe nur Jack Torrance und will mich auch nur auf eine Band konzentrieren müssen. Vorher war Backstreet Noise meine Band und wir haben deutschsprachigen Punkrock mit Billig-Keyboard oder Orgel (Bontempi) gespielt. Laut Presse waren wir dann wohl auch die führende Band in der Bontempi-Punkbewegung.

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Während Harbour sich mit der Liebe beschäftigt, steckt hinter Reminder – wie ihr sagt – nicht nur euer eigener „Unity“-Song, sondern auch das Eingeständnis von Fehlern und Schwächen. Wie handhabt ihr Situation, wo beide Themen aufeinander treffen und Fehler / Schwächen die Liebe zu erdrücken drohen? (Anmerkung: Ausgenommen als Lösung ist „getrennte Wege gehen“; erwünscht sind hier: konstruktive Wege, Vorschläge, Ideen,…)

Puh, das mal ein ganz schönes Kaliber an Frage. Kommunikation und Kompromissbereitschaft sind hier dann wohl die Schlüsselwörter. Zwischenmenschliche Beziehungen egal ob in einer Partnerschaft oder auch innerhalb einer Band können meiner Meinung nach nur gelingen und/oder aufrecht erhalten werden, wenn man offen über Probleme sprechen kann und es hier auch schafft gegenseitigen Respekt und Empathie zu zeigen, und wenn man Mittelwege findet. Man sollte sich beim Aufzeigen der Fehler des Anderen immer bewusst sein, dass man selbst nicht fehlerfrei ist bzw. gar nicht sein kann. Man muss bereit sein nachgeben zu können ohne das Gefühl der Einseitigkeit zu haben. Und in vielen Situationen – und ich glaube das gelingt einem häufig auch erst ab einem gewissen Alter und größeren Erfahrungsschatz – sollte man nicht gleich seinem ersten Impuls nachgeben, sondern kurz nachdenken und abwägen.

Remedy handelt von der unterstützenden Wirkung der Musik. Wie sehr hat Dir Farewell denn geholfen? Ein Song, der eines der – meines Erachtens – schwersten Themen inne hat und die kaum offen thematisiert werden: Depression, Selbstmord, Ängste.

Das Thema Selbstmord hatte ich viele Jahre mit mir rumgeschleppt und erst mit Jack Torrance kam das Gefühl auf, dass jetzt der richtige musikalische „Rahmen“ gegeben ist. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass ich das alles mit englischen Lyrics besser umsetzen konnte als auf Deutsch. Das weiß ich aber nicht genau. Und dadurch, dass es nun durch Text und Musik ausgesprochen ist, konnte ich auch in gewisser Weise einen Haken dahinter setzen. Was jetzt natürlich nicht heißt, dass es an Wichtigkeit für mich verliert. Aber das Gefühl ist irgendwie anders. Friedlicher. Ein anderer Begriff fällt mir gerade nicht ein.

Nennt unseren Lesern doch einmal 3 Fakten aus euren Wohnorten, die man selbst als dort wohnender nur selten zu hören bekommt oder weiß.

Obwohl Franz nun wieder in Ingolstadt lebt und es Eric mittlerweile von Schweinfurt nach Kassel verschlagen hat, sind 50% Jack Torrance aus Coburg und da haben wir auch unseren Proberaum. Daher mal 3 Fakten über Coburg:
a.) Früher als andernorts trat der Nationalsozialismus in Coburg in Erscheinung. 1929 errang die NSDAP dort die absolute Mehrheit. Und dennoch findet alljährlich der Coburger Convent statt oder es wird eine Straße nach einem bekennenden Mitglied der NSDAP benannt, der aber doch so viel Gutes für Coburg in wirtschaftlicher Hinsicht getan hat (Max Brose).
b.) Das Motto der Stadt Coburg ist „Werte und Wandel“. Ich habe keine Ahnung welche Werte damit gemeint sind. Coburg ist bunt wird sich vor allem auf die Banner geschrieben wenn das alljährliche Samba-Fest stattfindet, dass ja mittlerweile ziemliche Dimensionen angenommen und Bekanntheit erreicht hat. Vom Grundgedanken eine schöne Veranstaltung, für viele aber auch Freifahrschein um sich auf Mallorca-Niveau zu besaufen.
c.) Coburg hat auf dem alten Bundesgrenzschutzgelände einen zumindest in Oberfranken einzigartigen Proberaumkomplex in dem über 40 Bands ein zu Hause gefunden haben. Mit den Monsters of Rodeo e.V. gibt es noch eine coole Konzertgruppe, die z.B. das mittlerweile bekannte Outside Rodeo Festival mit auch internationalen Acts aus dem Bereich Ska, Punkrock und Hardcore veranstaltet.

Viele Band schreiben schon an neuem Material, obwohl das Release gerade erst draußen ist. Wie sieht das bei euch aus? Wer schreibt die Stücke und werden die Themen besprochen? Wissen also alle Bescheid, um was es gehen wird? Wie geht ihr denn dann mit solche schwierigen Themen und wie bringt man den anderen diese bei? Ist ja schon ein großes Gewicht, ein großer Vorschuss an Vertrauen auch.

Bei uns ist das eigentlich nicht anders. Wir tun ja im Prinzip auch nur das wofür so eine Band da ist. Songs schreiben, Live spielen, wenn genug Songs zusammen sind, Album aufnehmen, Songs weiterschreiben, auf das Beste hoffen und sehen was für Angebote reinkommen. Bei Flickering Lights stammen alle Lyrics und das musikalische Grundgerüst von mir. Nur bei einigen Songs war auch die Musik schon komplett von mir fertig geschrieben. Alles andere entsteht dann im Proberaum durch trial and error. Mittlerweile haben wir schon wieder einen kompletten neuen Song fertig der auch schon seine Live-Prämiere hatte, mit dem Titel „the heart is a clockwork, the mind is a cosmos”. Ein Song über die Auswirkungen und dem Umgang mit Ängsten. Auch Franz hat mittlerweile schon einen weiteren Song komplett fertig geschrieben, den wir jetzt demnächst ausarbeiten werden. Eine der wenigen Regel war, ist und bleibt, dass bei einem neuen Song oder Teilideen zu einem Song alle cool damit sein müssen. Alles unter „find ich gut“ kommt in die Tonne.
Vor allem da ja sowohl Franz als auch Eric Backing-Vocals beisteuern, bzw. Eric bei „Lights“ die Main-Vocals übernimmt, sind die Texte allen bekannt. Auch Christiane die nicht am Mikro steht ist immer interessiert und will wissen um was es in den Songs geht. Alles andere fände ich auch eher befremdlich.

© Jack Torrance - Flickering Lights
© Jack Torrance – Flickering Lights

Wie war bisher das Feedback zum Album flickering lights?

Wir sind ziemlich happy und zufrieden mit dem Feedback zu unserer Platte. Und natürlich sind wir auch in erster Linie absolut zufrieden und happy mit der Platte selbst und was wir da geschafft haben. Natürlich ist alles ein Lernprozess und wir wissen jetzt schon, was wir bei der nächsten Platte anders machen werden. Phnx-Records wurde von Franz gegründet um so DIY wie möglich zu bleiben und das nicht aus der Not heraus, sondern weil wir es wirklich wollen. Es liegt alles komplett in unseren Händen und das ist ein mehr als gutes Gefühl.
Nochmal zurück zum Feedback: wir haben – was uns am wichtigsten war – von den Menschen die uns am Herzen liegen, durchweg nur Lob und Begeisterung erfahren. Also Menschen die uns so Nahe stehen, dass die auch ohne zu zögern gesagt hätten wenn sie es nicht gut gefunden hätten. Auch bezüglich Reviews sind wir alle mehr als zufrieden.

Was können eure Hörer von euch erwarten? Tour, neues Album?

Zur zeit kommen ziemlich viele Konzertanfragen rein, auch was die Open-Air Saison betrifft. Die erste kleine Tour wollen wir im Oktober gleich mal im Ausland spielen. Da ist schon 80% fertig gebucht. Songs werden immer weiter geschrieben und wenn genug beisammen sind, wird wieder aufgenommen. Am besten ist und bleibt man über alles was von uns noch kommen wird in den sozialen Netzwerken informiert. Checkt uns da mal aus. Würde uns sehr freuen!

Vielen Dank für eure Zeit. Dies Freiraum für euch. Videos, News, Antworten auf ungestellte Fragen, Grüße, Tourdaten.

Schaut gerne auch auf YouTube vorbei unter Jack Torrance Band. Wir haben gerade unser erstes offizielles Video zu unserem Song „harbour“ rausgebracht, dass wirklich absolut sehenswert ist. Auch ein Lyric-Video zu „fragile“ und noch anderes gibt es da zu sehen.
Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Shine your light! Liebe und Heartcore.

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