(c) Familotel Borchard´s Rookhus - Alexander Borchard
Interviews

Herr Alexander Borchard (Familotel Borchard´s Rookhus) im Interview

(c) Familotel Borchard´s Rookhus - Alexander Borchard
(c) Familotel Borchard´s Rookhus – Alexander Borchard

Kürzlich ergab sich die Gelegenheit die Grenzen dieser Seite ein wenig zu erweitern und ein Interview mit Herrn Alexander Borchard via E-Mail zu führen. Grund dafür war unter anderem die “No Kids”-Policy in einem Hotel und natürlich, woran man familienfreundliche Hotels erkennt, was das Familotel Borchard’s Rookhus von anderen unterscheidet und einiges mehr. Viel Spaß bei diesem informativen Interview.

1. Guten Tag. Herr Borchard, Sie betreiben das Familotel Borchard‘s Rookhus. Schon in der Hotelbezeichnung (Familotel) ist eine Besonderheit zu erkennen. Vielleicht können Sie sich aber unseren Lesern dennoch einmal vorstellen, eine kurze Beschreibung Ihrer Person, der Tätigkeit et cetera geben.

Ich bin mit vollem Herzen Hotellier, die Hotelanlage habe ich gemeinsam mit meiner Frau im Jahr 1994 übernommen und umgebaut. Die ersten Jahre haben wir dort ein Romantikhotel mit Schwerpunkt Gourmet, Hochzeiten, Familienevents und Tagungen betrieben. Die Lage inmitten dieser wunderschönen Seenlandschaft hat uns dazu gebracht, einen Urlaubsort für Familien zu schaffen, sodass das Borchard’s Rookhus seit 2008 zu den Familotels gehört und seit 2010 ausschliesslich diese Zielgruppe bedient. 2008 wurde ich zudem in Aufsichtsrat der Familotel AG, zu der 60 Hotels gehören, gewählt, dessen Vorsitz ich seit 2012 innehabe. Meine Frau und ich sind zudem absolute Familienmenschen. Dass wir die Familie und den Spaß im Umgang mit Kindern in unseren Berufsalltag und somit in unser Leben integrieren können, ist nicht nur eine absolute Bereicherung, sondern Lebensinhalt.

2. Mit der „No kids“-Philosophie gibt es einen neuen Trend. Wie sehen Sie diesen und auf welcher Basis gründet diese neue Policy?

Als Trend würde ich diese „No kids“-Philosophie nicht direkt bezeichnen. Ich kann verstehen, dass Menschen sich durch Kinderlärm gestört fühlen, wenn die Eltern nicht eingreifen, jedoch denke ich nicht, dass aufgrund dessen immer mehr kinderfreie Zonen geschaffen werden. Ich hoffe es zumindest, denn immerhin sind Kinder unsere Zukunft und ohne sie wären wir alle ziemlich arm dran – Sie sind sozusagen unsere „Touristen von morgen“. Dass eine kinderfreie Zone wie auf Rügen geschaffen wird, finde ich in Ordnung, um nur Singles oder kinderfreie Paare anzusprechen, allerdings sollte es dann auch konsequent durchgezogen werden und nicht mittags mit Kindern großen Umsatz machen, um sie abends auszusperren. Entweder ganz oder gar nicht.

3. Besteht das Risiko, dass durch diese Politik eine Art (unfreiwillige) Partymeile geschaffen wird? Hotels die sich ausschließlich auf Single spezialisieren, maximal kinderlose Paare – das klingt – überspitzt gesagt – nach einer Erschaffung eines mallorcanischen Feelings. Sehen Sie das ebenfalls so – also, das eine derartige Gefahr besteht? Was sind aus Ihrer Sicht die negativen Folgen für die Umgebung, Stadt, Hotel, …?

Nein, das sehe ich überhaupt nicht. Das ist auch überhaupt nicht der Ansatz dieser Konzepte. Die „Adults only“-Gäste sind nicht diejenigen, die ungestört feiern möchten, sondern diejenigen, die einfach mal komplett runterfahren wollen – meistens selbst Eltern!

Für Partygäste gibt es schon genügend Angebote, wo naturgemäß eh keine Kinder anzutreffen sind, dafür sindkeine kinderfreien Hotels notwendig.

4. Sie besitzen ein familienorientiertes Hotel. Wie können sich das unsere Leser vorstellen? Was ist die Besonderheit?

Ich besitze es nicht nur, ich betreibe es mit meiner Frau und einem unglaublich tollen Team Tag für Tag aus Leidenschaft. Die Besonderheit unseres Hotels ist, dass dort nur Familien mit Kindern – ob Eltern mit Kindern oder Großeltern mit Enkeln – urlauben. Sozusagen ein „only family“-Hotel.
Das hört sich etwas resolut an, aber um unser Versprechen und die Bedürfnisse der Familien zu erfüllen, ist das notwendig. Bei uns sitzen alle Gäste in einem Boot. Wenn ein Kind im Restaurant mal eine Krise bekommt, ist die Reaktion der anderen Gäste: Zum Glück dieses mal nicht mein Kind. Da gibt es keine genervten Blicke vom Nebentisch oder Beschwerden wenn um 6:00 Uhr ein Baby weint.

Das ist übrigens bei fast allen Familotels dieselbe Philosophie. Dazu kommt dann die komplette Rundumversorgung, die den Familienurlaub perfekt macht. All Inclusive, 2 Raum- Familienappartements, Ausstattung vom Fläschchenwärmer bis zum Kinderwagen, Baby- und Kinderbetreuung, Schwimmschule, Streicheltiere … Diese Liste lässt sich noch ewig fortführen. Bei uns gibt es eben alles, was das (Familien-)Herz erwärmt.

5. Gibt es Betreuungsangebote, um den Eltern vielleicht eine Art Ruhezeit zu schaffen? Oder verhält es sich eher so, dass Sie Angebote haben, um die Familie zu festigen respektive zu motivieren gemeinsam etwas zu unternehmen? Wie sieht das en Detail vor Ort aus?

Bei uns steht die Familie im Vordergrund und viele Angebote richten sich an Groß und Klein, sodass man den Urlaub gemeinsam in vollen Zügen genießen kann. So gibt es beispielsweise die Möglichkeit, mit einem Floß den direkt anliegenden Großen Labussee zu erkunden oder bei der Familienwanderung den Wald zu entdecken oder verschiedene Projekte, wie in unserem Zirkuszelt, in welchem die Kleinen den Tag über eine Show einstudieren, welche sie am Abend den Eltern vorführen können. So kommt jeder auf seine Kosten.

Damit sich die Eltern zwischendurch aber auch mal eine Auszeit gönnen können, bieten wir natürlich auch Raum für Ruhezeiten. Dazu gibt es ein Zeitfenster von 51 Stunden pro Woche Baby- und Kinderbetreuung in dem die Eltern Zeit für sich haben können und die Kinder Spielkameraden haben.

6. Können Sie uns vielleicht auch etwas über das Speisen- und Getränkeangebot erzählen? In Eisdielen, Imbissen und Co findet man Gerichte mit fantasievollen Namen und einer entsprechenden Aufmachung.

Wir haben ein All Inklusive Angebot für Speisen und Getränke. Vier Buffets pro Tag und eine entsprechende Getränkeauswahl, für die Kinder vom Saft bis zur Cola ( nur für Teens ) und für die Eltern vom Ingwer Tee bis zum Prosecco. Somit hat man volle Kostenkontrolle. Durch das Front Cooking System brauchen wir keine tollen Namen, sondern die Kinder und Erwachsenen sehen, was es gibt. Teilweise machen sie auch selber mit, die eigene Pizza belegen oder Burger bauen.

Wir sind keine Ernährungs-Apostel und haben auch keinen Erziehungsauftrag, geben aber dennoch auf eine ausgewogene Ernährung Acht, sodass beispielsweise nur einmal pro Woche Pommes auf den Tisch kommen. Auf Allergien sind wir natürlich entsprechend eingestellt.

7. Was gilt es denn zu beachten – sowohl von aus Sicht der Eltern als auch aus der Hotelperspektive – beim Umgang mit Kindern und Eltern?

Durch unsere langjährige Erfahrung wissen wir, dass die Familien Urlaub machen möchten, um gemeinsam Zeit zu verbringen, etwas zu erleben und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Dennoch soll der Aufenthalt in unserem Hotel nicht nur für die Kleinen, sondern ebenso für die Großen auch den perfekten Urlaub darstellen, sodass es wichtig ist, ein gutes Gleichgewicht für die Bespaßung aller Altersklassen zu schaffen und sowohl Eltern als auch Kindern ihre Freiräume zu lassen.

8. Haben Sie eine Art „10 Goldene Regeln für den Umgang mit Kindern im Hotelgewerbe“? Was sind Ihre persönlichen No-Gos?

Voraussetzung ist generell immer die Akzeptanz. Kinder sind Kinder und sollten es auch sein und sein dürfen. Sie sind auch mal laut und haben auch mal Quatsch im Kopf. Um es jedoch erst gar nicht zum Quatsch-machen kommen zu lassen, ist Beschäftigung das einfache Zauberwort. Man muss den Kindern etwas bieten, sodass keine Langeweile aufkommt. Ein Spielplatz, Stifte und Papier, Bücher, Spielzeug – Mit so einfachen Mitteln ist es möglich, die Kinder zu fordern und fördern und sie bei Laune zu halten. Ein No-Go ist sicherlich, jemanden zu etwas zu zwingen, was er nicht wirklich möchte. Wir haben viele verschiedene Angebote, sodass sich jeder – ob klein oder groß – genau das aussuchen kann, worauf man Lust hat. Außerdem gilt: Wer nicht authentisch ist, verliert! Kinder merken alles und bestrafen aufgesetzte Kinderfreundlichkeit sofort mit entsprechendem Verhalten. Wer in einem Familienhotel arbeitet, sollte selbst auch noch ein klein bisschen Kind sein.

9. Woran können Eltern schon bei der Urlaubsplanung erkennen, dass das ein angenehmes, kinder- beziehungsweise familienfreundliches Hotel ist oder sind Ausfälle nie oder nur selten vermeidbar?

Das kommt natürlich ganz auf die Bedürfnisse an, wem ein Hochstuhl und ein Zustellbett ausreichen, der braucht nicht lange suchen, denn das bieten nun wirklich alle Kollegen in allen Kategorien. Aber: Jedes Hotel hat eine Sauna, ist deshalb aber noch lange kein Wellness Hotel. Wer mehr möchte, sollte sich für die Profis entscheiden, für die, die sich täglich damit beschäftigen und ein entsprechendes Angebot, Erfahrung und die Mitarbeiter dafür haben. Hier geht im erdgebundenen Bereich kein Weg an den Familotels vorbei.
Des Weiteren lohnt es sich immer, einen Blick in Bewertungsportale zu werfen, um zu sehen, was andere Familien von ihrem Aufenthalt berichten.

10. Welche Fragen sollten Eltern immer stellen, wenn es in der Urlaubsplanung geht, speziell vielleicht auch bei der Hotelsuche? Gibt es Fragen, die man immer stellen sollte, um die Reaktion zu bekommen, die für eine Abwägung nötig ist?

Ganz offen die, die einen wirklich berühren und bewegen: Wie werde ich mein Kind auch mal los?
(Das ist zwar eine leicht überspitzte Formulierung,, aber das trifft den Kern), Was kann man gemeinsam unternehmen? Mein Kind ist schüchtern und war noch nie in einer Betreuung, wie macht ihr das? Mein Kind isst fast nichts, kann ich sicher sein, etwas zu finden? Mein Kind schreit oft nachts, fühlen sich da andere gestört? – Es gibt tausend Fragen. Die Devise lautet: Ganz einfach fragen. Nach der zweiten Antwort erkennt ihr an der Reaktion, was Phase ist.

Wir arbeiten bei uns auch mit einer Chat Funktion, die großen Anklang findet, da es dort die Möglichkeit gibt, die Fragen etwas anonymer zu stellen.

11. Sie sind auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der Familotel AG, zu der 60 Hotels gehören – schafft man es immer, die Lage so zu wählen, dass in familienfreundlicher Nähe genügend Unternehmungsmöglichkeit ist? Und falls nicht, welche Maßnahme kann oder sollte ein Hotel dann ergreifen? Kostenloser oder kostengünstiger Shuttle, Gespräche mit der Stadt für eine Bushaltestelle mit guten Abfahrts- und Ankunftszeiten, …? Ist so etwas realisierbar?

Unsere Familotels befinden sich in schönen kinderfreundlichen Gegenden, darauf wird natürlich sehr geachtet, da die meisten auch wie unseres reine Familienhotels sind. Denn die Familien sollen sich immerhin nicht nur innerhalb des Hotels aufhalten können, sondern auch die Möglichkeit haben, die Umgebung zu erkunden. Dabei legen wir einen großen Wert auf den Faktor Natur. Im Grünen lässt es sich immer noch am besten toben. Wenn es die Umgebung hergibt, ist so etwas wie ein organisierter Shuttlebus für die Hotelgäste zu einem ausgesuchten Ziel aber sicherlich auch realisierbar, viele Häuser bieten auch gemeinsame Ausflüge an. Ich kenne aber kein Familotel – und ich kenne natürlich alle – in welchem man nicht eine ganze Woche ohne Langeweile verbringen kann, so vielfältig sind die Angebote und die Ideen der Kollegen.

12. Wie sehen Sie zum Beispiel die Einführung beziehungsweise Nutzung der „Cradle 2 Cradle“-Prinzips in Hotels? Statt Einwegprodukt, recyclebare. Ist das aus Ihrer Sicht realisierbar, wenn ja, wie und welche Vorteile hätten die jeweiligen Hotels dadurch? Zu Beginn wäre das sicherlich auch eine Art Alleinstellungsmerkmal.

Konzepte, die unsere Umwelt schützen und für Nachhaltigkeit sorgen, sind natürlich essentiell für uns alle. Die Umsetzung ist leider schleppend, aber im internationalen Vergleich stehen wir in Deutschland schon ganz gut da, auch wenn ich mich kürzlich erst in einem Haus einer deutschen Hotelkette wieder über die ganzen Mini Fläschchen im Bad ärgern musste. Ein Flüssigseifenspender sollte schon Standard sein, den Pseudo Luxus braucht nun wirklich keiner.
Wir verzichten fast gänzlich auf Einwegverpackungen, allerdings muss man auch immer die Hygienevorschriften und sonstigen Auflagen im Auge behalten. In der Bürokratie liegen wir in Deutschland nämlich auch weit vorne.

Hotels können natürlich besonders im Energie Segment Vorreiter sein und sind es auch: Blockheizkraftwerke, Solaranlagen, Pelletsheizungen sind überall zu finden. Wir Familienhotels können auch die Kinderbetreuung nutzen, um den Kindern spielerisch etwas beizubringen und sie zu sensibilisieren, denn wir haben ja keinen Erziehungsauftrag und deshalb hören sie uns zu.

Vielen Dank für das Interview.

Zum Hotel geht es hier beziehungsweise zur Website.

Werbelinks:
* National Geographic Familien-Reiseführer Berlin mit Kindern (National Geographic Explorer) - Leslie Guilbot, Séverine Bascot -
* Hotel Ratgeber: Die 16 wichtigsten Hotel-Kundenbindungsprogramme. Geld sparen - Luxus genießen! Insider-Wissen über Hotel-Statuskarten. - David S. Goldstein -
* 66 Perfekte Hotels - Hrsg. Smart Travelling print UG and Süddeutsche Zeitung / Bibliothek -



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