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Dirk Bernemann im Interview

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(c) Michaela Maier - Dirk Bernemann
(c) Michaela Maier – Dirk Bernemann

Klara ist sein aktuelles Werk, das Dirk Bernemann zusammen mit Jörkk Mechenbier von der Band Love A und dem Autor Jan Off geschrieben hat. Aber wir haben auch über Ich habe die Unschuld kotzen sehen, Musik, Trisomie so ich dir sowie Gesten und Geräusche gesprochen. Das Ergebnis dieser Fragen könnt ihr hier lesen, viel Spaß dabei.

Hallo Dirk. Vielen Dank für Deine Zeit. Ich hoffe, es geht. Vielleicht kannst zum Einstieg und für die Leser, die Dich eventuell noch nicht kennen sollten einige Worte zu Dir und Deinem Schaffen sagen.

Ich bin Autor. Auch ein bisschen Musiker und probiere auch viele andere Künste aus, aber mein Hauptaugenmerk liegt tatsächlich auf dem Schreiben von Romanen, Kurzgeschichten und Theaterstücken. Klingt mysteriöser als es seltsam ist, aber auch einfacher als es schwierig ist.

Wenn ich mich recht erinnere, ist 2005 Ich hab die Unschuld kotzen sehen erschienen. Wie fühlt sich das mit ein wenig mehr als ein Jahrzehnt Abstand für Dich an? Hättest Du etwas anders gemacht? Hat sich durch die Veröffentlichung via Heyne Deine Wahrnehmung in der Öffentlichkeit geändert? Mehr Lesungen, Verkäufe, …?

Es fühlt sich immer noch gut an. 2005 haben sich für mich ein paar Türen geöffnet, von deren Existenz ich nichts ahnte. Ich habe zuvor schon viele andere Dinge ausprobiert, aber Literatur ist an mir kleben geblieben. Ich glaube, dass ich generell ein Autor bin, der unter vielen Leutens Radar nicht erfasst wird. Ich bin immer noch so eine Art Nischenfüller, eine Nische, die ich mir selbst gebaut habe und seitdem ausfülle. Lesungen und Verkäufe sind sozusagen meine Haupteinnahmequellen. Lesen verkommt leider aufgrund von Homeentertainmentmöglichkeiten immer mehr zu einer Luxus-Freizeitbeschäftigung. Es wird viel weniger gelesen, als vor Jahren noch.

Das ist eine Leserfrage: Gab es bei einem Buch wie „Trisomie so ich dir“ schon mal Probleme? Im Sinne von, da macht sich der Autor möglicherweise lustig darüber oder wurde der ganz allgemein anders aufgefasst als von Dir gedacht? (Anmerkung: Die Frage stammt von jemanden, der keine Kenntnisse über den Inhalt des Buches hat)

Wer das Buch gelesen hat, wird feststellen, dass es sich um eine empathische, fast sogar inklusorische Arbeit handelt. Eine meiner drei Hauptfiguren ist ein junger Mann mit Trisomie21 und ich weiß nicht, wie man darauf kommen kann, dass ich mich über ihn lustig machen würde oder ihn verspotten würde, er ist einer von drei Leuten in diesem Roman. Viel schlimmer wäre es doch, wenn ich derartige Themen nicht angehen würde und Randgruppen aussparen würde. Das finde ich viel diskriminierender.

Im vergangenen Jahr sind gleich zwei Bücher erschienen. Klara zusammen mit Jörkk Mechenbier und Jan Off sowie Gesten und Geräusche?
a. Kannst Du etwas zu Klara erzählen und woher Du die beiden Co-Autoren kennst, wie die Zusammenarbeit war, wie sie zustande kam, …?

Seit ich gute Bücher lese, lese ich Jan Off. Seit ich Jörkks Band (Love A) kenne, beschäftige ich mich mit dieser Musik. Man kennt sich und wenn ich mit jemandem zusammenarbeite, muss auch eine Art von Liebe im Spiel sein, die die gemeinschaftliche Arbeit nicht bloß zu einem Herstellungsprozeß von Literatur macht, sondern wo auch Zuneigung eine gewisse Rolle spielt.

b. Wovon handelt Gesten und Geräusche?

Kurz gesagt: Von mir in bestimmten Situationen meines Lebens. Es ist keine hundertprozentige Autobiographie, sondern eher ein Stimmungsbild, zerschossen in viele Einzelteile. Wie ein literarischer Wandkalender mit Musik. Schwer zu beschreiben, wovon man redet, wenn man von sich selbst spricht.

Wieso hattest Du nach so einer langen Schaffensphase das Verlangen, die Idee mit anderen Autoren zu arbeiten? Verkompliziert es die Arbeit oder … ?

Ich habe es sehr genossen, auch bei gemeinsamen Lesungen, den Fokus von mir abzulenken und nur einer von 3 oder einer von 2 Personen zu sein. Der Arbeitsprozeß war, weil wir alle irgendwie Profis sind unvorhergesehen schön und spannend.

Deine Bücher sind nicht immer einfach, manchmal schwerer auszuhalten mit nahezu spürbaren Schmerz. Sollte Literatur weh tun, Schmerz verursachen, … oder warum denkst Du, empfindet man das beim Lesen? Speziell bei Deinen Büchern (eher im positiven Sinne gemeint…; wenn man es zu nutzen weiß, regt es durchaus zum Nachdenken an).

Was Literatur oder Kunst generell soll, diese Frage lasse ich gerne offen. Die Empfindungen zu meinen Texten sind sehr verschieden. Glücklicherweise. Manchen ist das zu nah, manchen nicht nah genug, beim Schreiben selbst denke ich mir oft: voll peinlich das zu erzählen, während eine andere Stimme brüllt: Scheiß drauf, es gibt keine Peinlichkeit, du Vollmist. Die Wahrheit und das Endergebnis finden dann irgendwo dazwischen statt. Nachtrag: Wer zum Nachdenken angeregt werden muss, den würde ich gerne zum Nachdenken anregen, ohne dass er durch meine Texte zum Nachdenken anregt werden muss. Regt Euch selber an (und auf)!

Was sind musikalisch aber auch literarisch Deine All-Time-Favorites und was läuft gerade bei Dir beziehungsweise wird gerade von Dir gelesen?

Schwierige Frage. Eine Band, die mich seit Jahren positiv begleitet, inspiriert und in eine Euphorie versetzt ist Phillip Boa and the Voodooclub. Aber ich höre Musik über Genregrenzen hinaus, dazu steht auch viel in Gesten und Geräusche. Genres sind was für Leute, die es nicht aushalten, wenn etwas keinen Namen hat und trotzdem großartig ist. Ich lese gerade das Buch „Gott hat mir nie das Du angeboten“ von Sophia Fritz. Eine Art autobiographischer Abriss einer wortgewandten Person, die ihre letzten Reste Religiösität zusammenfegt und damit der Realität begegnet. Äußerst spannend.

Gibt es schon Informationen zu einem oder mehreren kommenden Büchern von Dir? Kannst Du darüber schon etwas erzählen?

Ich arbeite grad an zwei Sachen. Keine von denen ist irgendwie spruchreif. Sorry. Schaut selbst.

Vielen Dank für das Interview. (Hier wäre noch Platz für Lesungsdaten; bitte kein Link bzw. nicht ausschließlich)

Dirk Bernemann unterwegs:

20.03. Chemnitz – Jazz Keller im Co Werk
21.03. Buchmesse Leipzig (12 Uhr, Halle 5, Stand G200)
21.03. Leipzig – Beyerhaus (zu Gast bei der Lesebühne Pinzette vs. Kneifzange)
22.03. Leipzig – Fischladen
30.03. Mainz – KUZ (mit Jörkk Mechenbier und Jan Off)
17.04. Mannheim – Cohrs
18.04. Bonn – Limes
19.04. Trier – Infoladen Komplex
20.04. Lemgo – White Rabbit
11.05. Braunschweig – B58

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Dirk Bernemann – Gesten und Geräusche KAUFEN

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