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Interviews

Alf Ator (Knorkator) im Gespräch

Mit dem Musiker Alf Ator von der Band Knorkator konnte ich anlässlich des neuen Longplayers namens Widerstand ist zwecklos ein Interview führen. Gesprochen haben wir über das schon erwähnte neue Werk aber nicht ausschließlich. Interessant waren für uns auch einige Kooperationen respektiv die ein oder andere Situation. Aber lest selbst.

© Knorkator – Alf Ator
© Knorkator – Alf Ator

Hallo und herzlich willkommen zum Interview. Wie geht es dir / euch?

Also „Gut“ ist ja gar kein Ausdruck! Die Vorverkäufe unserer Tour laufen hervorragend, und die Kritiken zu unserem Album fallen größtenteils sehr positiv aus. Das macht schon gute Laune.

Der Standardsatz bei einem neuen Album lautet ja: Das ist unser bestes, ausgereiftestes (usw.) Album. Manchmal ergänzt durch Sätze wie „Das Erste womit wir wirklich zufrieden sind.“ Wie ist das bei euch? Ist es auch euer bestes Album? Das, wo ihr am ehesten mit zufrieden seid?

Zumindest habe ich zum ersten mal das Gefühl, eine signifikante Menge an Leuten versteht überhaupt, was wir da machen. Früher war es so, dass unsere Alben fast immer verrissen wurden. Später dann wurden als Messlatte alte Knorkator-Alben angeführt, die plötzlich genial gewesen sein sollen. Ich fand die Songs auf den 3 letzten Alben genauso toll, was aber einige Kritiker anscheinend nicht so sahen. Ich denke, die Platte klingt zumindest hervorragend, man versteht fast alle Texte, das ist schon mal viel wert und bewirkt bestimmt auch die gesteigerte Akzeptanz. Es ist ohnehin schwer, es allen Knorkator-Fans recht zu machen, weil auch jeder völlig andere Favoriten bei uns hat. Manch ein Fan mag Stumpens Falsett überhaupt nicht, andere bewundern gerade das. Manch einem gehen die ganzen sinfonischen Schwulst-Passagen auf den Sack, andere lieben es. Die einen wünschen sich mehr von der ursprünglichen Fäkalsprache, andere sind froh, dass das nicht mehr so dominiert. Kaum ein Fan mag wirklich alles von uns. Außer mir selbst natürlich. Ja, ich liebe jedes Lied dieser Scheibe. Außer Buchstabensuppe, weil Stumpen das geschrieben hat. 😀

Mit Anita Ward und Depeche Mode habt ihr dieses Mal zwei ziemlich unterschiedliche Künstler gecovert. Wie kam es dazu? Weshalb diese Mischung und wie passen Stücke wie Ring My Bell und Behind The Wheel (Me) zu den Texten von Widerstand ist zwecklos?

„Ring My Bell“ zu covern, war Teil einer Geburtstagsüberraschung für Stumpen vor vielen Jahren. Ein paar Freunde hatten ein Ständchen vorbereitet mit Heavy-Versionen alter Disco-Liedern. Seitdem stand das immer mal zur Debatte.
Depeche Mode zu covern ist eigentlich meist überflüssig, weil ihre eigenen Versionen schon so perfekt minimalistisch ausgearbeitet sind, dass man kaum etwas dazu beitragen kann, was wirklich Sinn macht. Bei „Behind the Wheel“ haben wir aber den Text auf den Kopf gestellt. Der Protagonist redet nicht zu einer Frau, sondern zur Welt. Und nicht sie soll ans Steuer, sondern er will bestimmen. Quasi die Stimme des Imperialismus. Das konnte dann natürlich völlig übertrieben bombastisch und infernal arrangiert werden.

Vor einigen Jahren, und glücklicherweise ist es nicht soweit gekommen, wolltet ihr euch schon mal auflösen? Wie kam es dazu beziehungsweise wie kam es letztendlich nicht dazu? Was treibt euch nach so vielen Jahren immer noch an Musik zu machen?

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Alf Ator (Knorkator) im Gespräch


In den Jahren 2004-2007 ging es für uns gefühlt nur noch bergab. Wir hatten mit „Ich hasse Musik“ und dem „Nächsten Album aller Zeiten“ zwei wirklich gute Alben abgeliefert, tourten uns den Arsch wund und kamen keinen Schritt vorwärts. Es gab zwar viele Fans, aber die erreichten wir kaum, weil wir in den Medien nicht stattfanden. Wenn überhaupt, dann hieß es nur „die Blödeltruppe aus Köpenick hat wieder was gemacht. Naja, wer’s braucht…“ Da beschlossen wir, aufzuhören, bevor wir arm und überarbeitet umfallen. Bei der Abschiedstour kamen dann aber plötzlich so viele Journalisten um die Ecke, die unser Verschwinden für eine Katastrophe hielten. Wir fragten uns, wo die denn bitte waren, wenn wir mal ein Album gemacht hatten. Aber unterm Strich führte das natürlich dazu, dass wir doch wieder Mut fassten, es nochmal zu versuchen. Inzwischen ist mir auch klar, dass man Sender oder Zeitschriften nicht wie „eine“ Person behandeln kann. Personal wechselt, und wer heute gute Kritiken über uns schreibt, war damals vielleicht noch gar nicht als Journalist tätig.

Wie kam eure Kooperation mit Dummesaulol zustande?

Irgendwann haben die sich mal als Fans geoutet und mich gebeten, ob sie mich filmen dürfen, wie ich verdutzt zuschaue, wenn sie sich gegenseitig weh tun. Ich wollte meine Band nicht damit belasten, also sagte nur ich zu. Danach erfuhr ich, dass Stumpen auch gern mitgemacht hätte. Seitdem geisterte eine gemeinsame Aktion in seinem Kopf rum. Und beim Full Force 2019 hat es sich halt ergeben.

Ihr habt mit Knorkator sicherlich einiges zu tun. Gibt es dennoch weitere künstlerische Projekte von den einzelnen Mitgliedern?

Buzz Dee hat eine Band namens „Die Buzz Dees“, außerdem stellt er sich immer wieder gern bei alten Seilschaften mit auf die Bühne. Manchmal tritt er als Duo mit Stumpen auf, spielt Knorkator-Songs, Evergreens und Gassenhauer, manchmal wird auch gelesen, Stumpen ist halt Entertainer, der kann auch mit nix ne gute Show machen.

Ein, zwei von euch haben schon Nachwuchs. Überschneidet sich der musikalische Geschmack mit denen eurer Kinder, gibt es etwas, was ihr niemals davon hören würdet oder hört ihr euch alles einmal an, um zu wissen, ob es bedenklich ist oder nicht?

Mit dem Geschmack meines großen Sohnes komme ich ganz gut zurecht. Der steht streckenweise auf weitaus härteres Zeug als ich, aber auch poppige Metal-Vartianten, wo Growling und Klargesang gleichrangig vorkommen. Wenn er mich ärgern will, hört er auch mal Hip Hop. Meine kleine Tochter steht auf fast alles, was ich ihr vorspiele, außer Knorkator. Stumpens Tochter hat soweit ich weiß moderne Pop-Ikonen zum Vorbild, vor allem natürlich sehr gute Sänger und Sängerinnen, sie ist halt selbst ein Stimmwunder, da liegt das nahe.

In Untergang kommen Tim Tom und Agnetha auch gesanglich vor. Warum in diesem Song und weshalb diese Zeilen?

Es hat sich rein musikalisch angeboten. Der Text hat damit nichts zu tun. Die liebliche Stimme von Agnetha im Wechsel mit Stumpen und mir. Eine der Stimmführungen war ein bisschen zu tief für Agnetha, also wurde Tim Tom rangeholt. Der kann ja auch mal was für sein Taschengeld tun. Der Text klingt sehr ernst, aber im Grunde wollte ich nur durch die Aneinanderreihung von Reizworten ein wenig Endzeitstimmung erzeugen, gerade als Kontrast zu der zuckersüßen Melodie.

(c) Knorkator - Widerstand ist zwecklos
(c) Knorkator – Widerstand ist zwecklos

Was können eure Fans von der Tour erwarten und sind dort Orte, wo ihre noch nie wart zwecks Live-Auftritt? Wie ist das für euch bei solchen Orten? Sind die Erwartungen dort anders, wie sind eure Gefühle zum Gig? Stärkeres Lampenfieber?

Lampenfieber ist natürlich bei jedem von uns anders. Ich glaube, bei den ersten Shows dieser Tour, wenn noch keine Routine in den Abläufen ist, wird die Nervosität natürlich stärker sein. Aber wenn nach 5 Gigs alles flutscht, hab ich eigentlich kein Lampenfieber mehr. Ich meine, ich hab es ja auch leicht. Wenn ich mal nicht so gut drauf bin, verstecke ich mich einfach hinter meinem Keyboard und schüttle autistisch den Kopf. Stumpen muss von der ersten Sekunde an den Kontakt zum Publikum halten. Das ist etwas ganz anderes.

10. Vielen Dank für das Interview. Hier ist Platz für die letzten Wort, Tourdaten, Video-Links etc.

Videolinks:

Rette sich wer kann:

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Ein Wunsch

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Revolution:

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Die Columbiahalle heißt nun Knorkatorhalle!

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Tourdaten:

10.10.19 Ludwigsburg Rockfabrik
11.10.19 Wien Arena
12.10.19 Graz ppc
17.10.19 Freiburg Jazzhaus
18.10.19 Zürich Komplex 457
19.10.19 München Backstage
25.10.19 Frankfurt Batschkapp
26.10.19 Gera KuK
07.11.19 Magdeburg Factory
08.11.19 Magdeburg Factory
09.11.19 Bochum Zeche
15.11.19 Rostock Moya
16.11.19 Hamburg Grosse Freiheit 36
22.11.19 Hannover Capitol
23.11.19 Köln Live Music Hall
29.11.19 Nürnberg Hirsch
30.11.19 Dresden Alter Schlachthof
21.02.20 Bremen Schlachthof
22.02.20 Kiel Pumpe
27.02.20 Saarbrücken Garage
28.02.20 Heidelberg Halle 02
29.02.20 Marburg KFZ
06.03.20 Bielefeld Forum
07.03.20 Andernach Jugendzentrum Andernach
13.03.20 Erfurt Gewerkschaftshaus
14.03.20 Memmingen Kaminwerk
20.03.20 Aschaffenburg Colos-Saal
21.03.20 Wuppertal Live Cub Barmen
22.03.20 Hamburg Große Freiheit
02.04.20 Nürnberg Hirsch
03.04.20 Leipzig Täubchenthal
04.04.20 Leipzig Täubchenthal

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